Ernährung

Donnerstag, 18. Dezember 2003
Bundesregierung redet Risiken der biologischen Schädlingsbekämpfung klein

BERLIN. Zur Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zur biologischen Schädlingsbekämpfung erklärt die Sprecherin für ländliche Räume der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel HAPPACH-KASAN: Biologischer Pflanzenschutz und der Einsatz von transgenen krankheitsresistenten Sorten sind moderne Methoden des Pflanzenschutzes, die erhebliche Vorteile bieten. Sie vermeiden den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel, sie vermeiden damit auch Rückstände in Nahrungsmitteln und Belastungen des Bodens. Aber als Nützlinge genutzte Viren, Bakterien, Pilze, Nematoden und Insekten sind nicht rückholbar, wenn sie einmal in die Natur entlassen worden sind. Sie können daher Flora und Fauna verfälschen, über ihre Langzeitwirkungen ist wenig bekannt. Dies ist das Ergebnis der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion. Bisher sind die Verfahren der biologischen Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft von untergeordneter Bedeutung. Dabei ist die Bakterie Bacillus thuringiensis der wichtigste Nützling, der zum Pflanzenschutz in der Landwirtschaft verwendet wird, an zweiter Stelle steht die Schlupfwespe Trichogramma, die gegen den Maiszünsler eingesetzt wird. Der Einsatz von Viren zur Bekämpfung des Apfelwicklers ist in den letzten 10 Jahren um das 100fache gestiegen. Insbesondere im Unterglasanbau hat die biologische Schädlingsbekämpfung besondere Vorteile. Von den zur Zeit in Deutschland angebotenen 66 Nützlingsarten sind etwa zwei Drittel heimische Arten, die übrigen stammen insbesondere aus tropischen und subtropischen Gebieten. Der Asiatische Marienkäfer ist ein Beispiel für die unkontrollierte Ausbreitung einer als Nützling eingeführten Insektenart. Ähnliche Risiken, wie sie bei der Ausbringung fremdländischer Nützlinge bestehen, werden transgenen Kulturpflanzen unterstellt, obwohl die Erfahrungen im Anbau wie auch in Monitoring-Versuchen dies bisher nicht stützen. Angesichts des unübersehbaren Nutzens der Verfahren der biologischen Schädlingsbekämpfung wie auch des Einsatzes transgener Pflanzen und der Vergleichbarkeit der Risiken beider Methoden sollte bei der Beherrschung ihrer Risiken ein gleicher Maßstab angelegt werden. Davon ist die Bundesregierung jedoch weit entfernt. Ihr ideologisch geprägter Kampf gegen die Grüne Gentechnik übersieht die Vorteile transgener Pflanzen, bei der biologischen Schädlingsbekämpfung werden dagegen die Risiken eher klein geredet. Beides verhindert, dass Landwirtschaft und Obstanbau ihre Pflanzenschutzmaßnahmen optimieren können - im Interesse von Natur und Verbraucherschutz. Die jüngste Entscheidung gegen die Freisetzung von transgenen Apfelbäumen, die gegen Feuerbrand resistent sind, ist dafür ein Beispiel. Unübersehbar ist auch, dass im Fall der angeblichen Vergiftung von Kühen durch Bt-Mais die Regierung das Gutachten des RKI nicht aufgegriffen und die Ungefährlichkeit des auch in der biologischen Schädlingsbekämpfung seit etwa 40 Jahren angewandten Bt-Toxins betont hat.

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