Fischerei

Freitag, 20. September 2013
Happach-Kasan: Aalbestand in Deutschland nach wie vor gefährdet

Happach-Kasan: Aalbestand in Deutschland nach wie vor gefährdet

Berlin, 20.09.2013. Zur 2. Internationalen Fachtagung, 3 Jahre Monitoring Fischtreppe Geesthacht erklärt die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Dr. Christel Happach-Kasan:

Der Aal in Europa ist in seinem Bestand gefährdet. Von der EU wurde bereits 2007 die „Verordnung mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Bestands des Europäischen Aals“, (EG Nr. 1100/2007) verabschiedet. Mit dieser Verordnung werden Rahmenbedingungen sowohl für den Schutz des Aals als auch seine nachhaltige Nutzung festgelegt. Aale leben in unseren Seen und Flüssen und wandern zur Eiablage in ihr Laichgebiet in der Sargassosee vor Florida. Die erfolgreiche Abwanderung der geschlechtsreifen Aale (Blankaale) ist daher der Schlüssel zur Sicherung unserer Aalbestände. In der Verordnung ist festgelegt, „die Abwanderung von mindestens 40 % derjenigen Biomasse an Blankaalen ins Meer zuzulassen, die gemäß der bestmöglichen Schätzung ohne Beeinflussung des Bestands durch anthropogene Einflüsse ins Meer abgewandert wäre.“ Der ICES (International Council for the Exploration of the Sea) fordert dagegen einen Anteil von 50%. Nach Angaben des Instituts für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow erreicht Deutschland insgesamt nur einen Anteil von 38%.

Nach Einschätzung von Biologen auf der Tagung in Geesthacht ist zu befürchten, dass unsere Kenntnisse nicht ausreichen, eine solche Abschätzung vorzunehmen. Es ist beispielsweise kaum plausibel, dass der Aalabstieg für die Elbe 13% betragen soll, für den Rhein dagegen 53%. Die Elbe hat deutlich weniger Querverbaue wie Wasserkraftanlagen und Wehre als der Rhein mit seinen Nebenflüssen und es ist daher zu vermuten, dass dadurch der Abstieg der Blankaale stärker beeinträchtigt ist als in der Elbe. In der nächsten Legislaturperiode muss die Datenbasis verbessert und auf der Grundlage der Daten investiert werden, die Durchlässigkeit der Flüsse für Wanderfische zu erhöhen.

Ein wichtiger Grund für den starken Rückgang der Aalbestände in Deutschland ist die hohe Verlustrate der Blankaale beim Aalabstieg. Etwa 50% der Gewässer in der EU sind verbaut. In Deutschland gibt es fast 8000 Wasserkraftanlagen, mit denen in Fließgewässern elektrischer Strom erzeugt wird. Die Wanderung der Aale durch die Wasserkraftanlagen führt zu hohen Verlusten. Es muss daher das Ziel sein, die Durchlässigkeit der Flüsse zu erhöhen. Dies hilft nicht nur dem Aal sondern auch wandernden Fischarten wie dem Lachs, dem Stör, dem Schnäpel und den Neunaugen. Der zweite Grund sind regional überhöhte  Kormoranbestände.

In der nächsten Legislaturperiode müssen die gesteckten EU-Ziele zum Schutz des Europäischen Aals vollständig erfüllt werden. Die Minderung der Mortalität der Blankaale muss im Interesse des Artenschutzes Priorität gegenüber der Stromproduktion in kleinen Wasserkraftanlagen erhalten. Es ist unglaubwürdig, den Artenrückgang zu beklagen und ihn gleichzeitig über das EEG zu fördern. Die Verstärkung des Aalbesatzes ist nur dann sinnvoll, wenn gleichzeitig die Durchlässigkeit der Flüsse erhöht wird.

Die Fischaufstiegsanlage in Geesthacht ist die modernste in Europa und für den Aufstieg von 3 m langen Stören ausgelegt. Sie ermöglicht es wandernden Fischarten das Flussgebiet der Elbe wieder zu besiedeln. Ziel der Tagung war es, auf den ökologischen Wert von Fischaufstiegsanlagen hinzuweisen.

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