Landwirtschaft | Reden

Donnerstag, 13. Juni 2013
Rede im Plenum zu TOP 28: Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Rede im Deutschen Bundestag zu TOP 28 (zu Protokoll)
Beratung der Unterrichtung durch die Bundesregierung

Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln
(Pflanzenschutz)
Drucksache 17/13076

13.06.2013

Dr. Christel Happach-Kasan:

Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die moderne Landwirtschaft hat für Deutschland große Bedeutung. Das Bild unserer Landschaft ist in vielen Regionen durch die Landwirtschaft geprägt. Landwirtschaft sowie Gemüse- und Obstbau sind wichtig für eine regionale Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln. Gerade jetzt in der Spargel- und Erdbeerzeit wissen die Menschen dies zu schätzen.

Die Leistungen von Landwirtschaft und Gemüse- und Obstbau sind anzuerkennen. Es gibt keinen Grund veraltete Anbau-Methoden aus dem Beginn des letzten Jahrhunderts nostalgisch zu verklären. Die Produktqualität hat sich seither stetig verbessert.

Es bleibt eine stetige Herausforderung, die Methoden des Pflanzenschutzes zu verbessern, seine Auswirkungen auf Nichtzielorganismen zu minimieren. Die sachgerechte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist Teil guter fachlicher Praxis in der Landwirtschaft. Die mit der Zulassung festgelegten Anwendungsbestimmungen, die gute Ausbildung der Landwirte sowie die sorgfältige Umsetzung der Bestimmungen haben zur Minderung der Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Nichtzielorganismen beigetragen.

Moderner Pflanzenschutz ist von Vorteil für Mensch und Umwelt. Pflanzenschutzmittel sind für eine gute Produktqualität wie auch sichere Ernteerträge unabdingbar. Verschimmelte Erdbeeren, schorfige Äpfel oder Salat mit Blattläusen sind keine Verkaufsschlager.

Pflanzenschutz hat einen erheblichen gesamtgesellschaftlichen Nutzen. Er trägt zur Sicherung der betrieblichen Einkommen in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau bei und damit auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum. Er ist ein wichtiger Faktor zur Steigerung der Effizienz der eingesetzten Ressourcen wie Arbeitskraft, Saatgut, Energie, Düngemittel und Wasser für die pflanzliche Produktion auf der Fläche und zur Sicherung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit dieser Produkte.

Die Anwendung verschiedener Pflanzenschutzmittel vermindert zudem die Möglichkeit der Resistenzbildung bei Schadinsekten. Die FDP setzt sich dafür ein, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln soweit irgend möglich zu minimieren. Ein völliger Verzicht ist im Sinne der Qualität der Nahrungsmittel und der Ertragssicherheit nicht sinnvoll.

Der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz wurde vor dem Hintergrund des Auftrages aus dem Pflanzenschutzgesetz, das die EU-Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie umsetzt, von der Bundesregierung unter Mitwirkung der Länder und Beteiligung betroffener Verbände erarbeitet. Er wurde am 10. April 2013 vom Bundeskabinett verabschiedet. Er ist als Aktionsplan weder Verordnung noch Gesetz und hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf Landwirte, Forstwirte oder Gärtner. Er enthält Selbstverpflichtungen der Bundesregierung und der Länder und ruft beteiligte Kreise zur Mitarbeit auf.

Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln genügt in Deutschland höchsten Ansprüchen. Doch es bleibt eine Herausforderung, weitere Erkenntnisse zu ihrer Anwendung zu gewinnen. Der Verlust an Biodiversität in der agrarischen Kulturlandschaft ist nach wie vor besorgniserregend. Es ist jedoch falsch, allein im Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Ursache zu sehen.

Die Bekämpfung von Pilzerkrankungen hat in Deutschland abhängig von der Witterung eine große Bedeutung. Pilzerkrankungen mindern nicht nur den Ertrag sondern beeinträchtigen durch die von ihnen gebildeten Pilzgifte die Qualität von Nahrungs- und Futtermitteln erheblich. In Jahren mit feuchter Witterung gibt es Getreidepartien, die nur noch energetisch verwertet werden können.

Ohne den Einsatz von Fungiziden würde in Deutschland nach der Studie „Gesamtgesellschaftlicher Nutzen von Pflanzenschutz in Deutschland” ein Wohlfahrtsverlust von jährlich 870 Millionen Euro entstehen. Allein im Kartoffelanbau würde der Verzicht auf die Nutzung von Fungiziden Ernteausfälle verursachen, die dem jährlichen Kartoffelkonsum von 60 Millionen Menschen entsprechen. Chemische Fungizide können nicht durch Kupferhydroxid ersetzt werden. Eine Studie des Umweltbundesamtes hat die negativen Auswirkungen von Kupferhydroxid auf die Bodenfauna insbesondere bei der Nutzung in Dauerkulturen nachgewiesen. Eine Herausforderung ist deshalb die Minderung des Einsatzes des Schwermetalls Kupfer in der Bekämpfung von Pilzerkrankungen im konventionellen wie im ökologischen Pflanzenbau. Laut Umweltbundesamt gibt es inzwischen chemische Alternativen, die deutlich umweltverträglicher sind und den Boden weniger belasten als die Verwendung von Kupfer. Der Ökolandbau, der bisher auf das insbesondere Regenwürmer schädigende Kupferhydroxid setzt, sollte seine Strategie überdenken.

Das in jedem Jahr durchgeführte Lebensmittelmonitoring zeigt, dass unsere landwirtschaftlichen Produkte nur minimal mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet sind. Laut einer Studie von Wissenschaftlern der Berliner Humboldt-Universität belaufen sich die Wohlstandsgewinne durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf etwa vier Milliarden Euro pro Jahr. Angesichts der steigenden Weltbevölkerung ist ein effizienter Einsatz der Ressource Boden unbedingt geboten. Der Ertrag z. B. bei Weizen liegt ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln etwa um die Hälfte niedriger.

Insektizide aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide sind als bienengefährdend eingestuft. Sie dürfen daher nur unter strengen Auflagen verwendet werden. Deutschland hat nach den Vorfällen im Sommer 2008 die Bestimmung zur Saatgutbeizung deutlich verschärft und damit in Europa eine Vorreiterrolle eingenommen. Das Bienenmonitoring hat gezeigt, dass in Deutschland unter den bei uns geltenden Anwendungsbedingungen Bienen nicht gefährdet sind. Diese Auflagen sollten EU-weit vorgeschrieben werden. Die FDP hält das jetzt von der EU verfügte zweijährige Moratorium für Nutzung von Neonicotinoiden auch für die Beizung von Saatgut für falsch. Die Beizung von Samen mit systemisch wirkenden insektiziden Wirkstoffen ist eine gute Methode, um Schadinsekten zu bekämpfen, weil so verlässlich Nichtzielorganismen geschont werden.

Die gegenwärtige Diskussion um Glyphosat ist völlig überflüssig. Der Wirkstoff wird seit über 40 Jahren in der Landwirtschaft als Unkrautbekämpfungsmittel angewendet. Er ist ein Hilfsmittel für die pfluglose Bodenbearbeitung, die den Boden vor Erosion schützt. In geringem Umfang wird er zur Sikkation, zur beschleunigten Abreifung von Getreide verwendet. Auch in Bioprodukten wurde Glyphosat gefunden. Moderne Pflanzenschutzmittel wie der Wirkstoff Glyphosat sind bei fachgerechtem Einsatz für Mensch und Umwelt ungefährlich. Berichte aus Südamerika sind ungeeignet, die Anwendung bei uns in Frage zu stellen.

Glyphosat ist das am besten untersuchte Herbizid weltweit. Das international angesehene Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat unser volles Vertrauen, die von der EU in Auftrag gegebene Neubewertung bis 2015 auf höchstem wissenschaftlichen Niveau durchzuführen. Glyphosat wird in der EU-Gefahrstoffklassifizierung als reizend und umweltgefährlich eingestuft, aber nicht als giftig. Der LD50 Wert entspricht dem von Alkohol und ist damit tausendfach geringer als der des Pilzgiftes Aflatoxin. Die Aufregung, die das ZDF veranlasst hat, einen schlecht recherchierten Beitrag über Glyphosat zu senden, ist fehl am Platz und lenkt von wirklichen Problemen ab.



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