Landwirtschaft

Freitag, 14. Juni 2013
Offener Brief an den Intendanten des SDW, Herrn Boudgoust zum Artikel "BUND-Studie: Nervengift im Urin nachgewiesen"

O f f e n e r  B r i e f

Sehr geehrter Herr Boudgoust,

der Artikel „BUND-Studie: Nervengift im Urin nachgewiesen” ist Desinformation pur und missachtet völlig den Auftrag an einen öffentlich-rechtlichen Sender, wie er auf der Internetseite der Bundeszentrale für Politische Bildung definiert ist:  "Gewährleistung einer vom Staat unabhängigen "Grundversorgung" mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung."


1.    „Nervengift”

Glyphosat wirkt nicht auf die Nerven von Tieren und Menschen, ist daher kein Nervengift.
Glyphosat hemmt bei Pflanzen ein Enzym, das für die Biosynthese verschiedener Aminosäuren essentiell ist. Bei Menschen und Tieren kommt dieses Enzym nicht vor.

2.    „70 Prozent aller deutschen Großstädter”
Es wurde laut BUND der Urin von 182 Großstädtern aus 18 Ländern, darunter 10 aus Deutschland, untersucht. Bei 7 der 10 Großstädter aus Deutschland wurde Glyphosat in einer Menge knapp über der Nachweisgrenze gefunden. Dies mit den Worten „Bei 70% aller deutschen Großstädter” zusammenzufassen, verdient die Auszeichnung der „Unstatistik des Monats”. Ich werde dies vorschlagen.

3.    „Glyphosat gilt als stark gesundheitsschädlich”
Nach der EU-Gefahrstoffkennzeichnung wird Glyphosat nicht als giftig, sondern als reizend und umweltschädlich eingestuft. Der LD/50 Wert (Maß für die Giftigkeit eines Stoffes) liegt in der Größenordnung des Wertes von Alkohol. Welche verlässliche Untersuchung aus Deutschland belegt eine stark gesundheitsschädigende Wirkung von Glyphosat bei bestimmungsgemäßer Anwendung?

4.    „Glyphosat im Urin nachgewiesen”
Wikipedia schreibt unter dem Stichwort „Urin”: Die Ausscheidung des Urins dient der Regulation des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts sowie der Beseitigung von Stoffwechselabbauprodukten, insbesondere der beim Abbau von Proteinen und Nukleotiden entstehenden Stickstoff-Verbindungen.” Glyphosat ist ein Phosphonat und enthält Stickstoff.
Der Nachweis von Glyphosat im Urin ist kein Hinweis, dass dieser Stoff wie beispielsweise Dioxin im Körper angereichert wird, sondern er wird ausgeschieden.

5.    „Bisher werden bei uns Futter- und Lebensmittel nicht standardmäßig auf den Stoff Glyphosat getestet.”
Das bundesweite Monitoring hat 2010 in keiner Probe Glyphosat gefunden (n=197), in 2011 wurden 446 Futtermittelproben untersucht mit nur einer Beanstandung.
Die Frage ist jedoch, warum ein nach wissenschaftlicher Erkenntnis unkritischer Stoff einem Monitoring unterzogen werden soll.

6.    „hormonelle Wirkung”
Durch welche seriöse Untersuchung wurde eine „hormonelle” Wirkung belegt?

7.    Quellen der Information:
Warum wurden als Informationsquellen weder das Bundesinstitut für Risikobewertung noch das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit herangezogen? http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zur_gesundheitlichen_bewertung_von_glyphosat-127823.html

Der SWR folgt der Spur der ZDF-Berichterstattung „Das stille Gift” und entfernt sich damit von seinem Auftrag, eine Grundversorgung an Information und Bildung zu gewährleisten. Dieser Artikel ist wie der ZDF-Beitrag gezielte Desinformation und Manipulation.
Der Gebührenzahler kann für sein Geld erwarten, dass die Anstalt des öffentlichen Rechts ihrem Bildungsauftrag in seriöser Weise nachkommt und auf Skandaljournalismus verzichtet.

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan

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