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Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien

Aus der aktuellen Ausgabe der Liberalen Depesche (elde):
Multiresistente Keime wie ESBL und MRSA sind gefährlich. Menschen, die sich mit ihnen infizieren, können nur schwer geheilt werden, weil die gängigen Antibiotika versagen. „Wir brauchen deshalb einen verantwortlichen Umgang mit Antibiotika”, so Christel Happach-Kasan, agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion.
Resistenzen gegenüber Antibiotika bilden sich in Bakterien spontan. Dies ist unvermeidlich. Je länger und häufiger ein Antibiotikum in Gebrauch ist, um so mehr verbreiten sich Bakterien, die gegen diesen Wirkstoff resistent sind, denn sie haben durch die Resistenzbildung einen Vorteil. So sind MRSA und ESBL entstanden. Erstmalig hat das BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) ermittelt, wie viele Antibiotika bei uns eingesetzt werden. In der Humanmedizin waren es im vergangenen Jahr 816 Tonnen, in der Tiermedizin für 28 Mio. Schweine, 12 Mio. Rinder, 1 Mio. Pferde und 115 Mio. Hühner 1734 Tonnen. Diese Zahlen sind deutlich höher als sie von Experten erwartet wurden.
Mit der jetzt diskutierten Novellierung des Arzneimittelgesetzes sollen gesetzliche Voraussetzungen geschaffen werden, den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung auf das erforderliche Maß zurückzuführen. „Es gibt bereits Leitlinien, gemäß denen die Antibiotika verschrieben werden sollen”, so Happach-Kasan. „Sie haben sich jedoch als nicht wirksam erwiesen.” Untersuchungen zeigen, dass in vielen Betrieben zu oft zum Antibiotikum gegriffen wird.
Der Gesetzentwurf der Bundesregierung schlägt einen praxisorientierten Lösungsansatz vor. Zunächst sollen Kennzahlen zur Antibiotikaanwendung in jedem Betrieb erfasst werden. Betriebe mit überdurchschnittlicher Anwendung werden künftig verpflichtet, in Zusammenarbeit mit ihrem Tierarzt einen verbindlichen Managementplan zur Tierhaltung und Hygiene im Betrieb zu entwickeln, um definierte Reduzierungsziele zu erreichen. 
Die Forderung nach einem generellen Verbot von Medikamenten in der Nutztierhaltung lehnt Happach-Kasan ab. „Kranke Tiere müssen geheilt werden können,” betont sie. „Dies ist ein Gebot des Tierschutzes”. Ein Verbot würde zudem das Entstehen eines „grauen Marktes” begünstigen und dadurch verhindern, dass Probleme in der Nutztierhaltung gelöst werden. „Das wollen wir nicht”, ergänzt  Happach-Kasan.
Die Umsetzung der Novelle erfordert von den Betrieben mehr Dokumentationen, von den Ländern mehr Kontrollen. „Wir wollen, dass privatwirtschaftliche Systeme wie QS eingebunden werden, um Doppelarbeit zu vermeiden. Wir müssen den Menschen sagen, dass Verbesserungen bei Hygiene und Tierhaltung nicht zum Nulltarif zu haben sind. Höhere Anforderungen im Betriebsmanagement führen zu höheren Kosten und damit zu höheren Preisen. Doch es lohnt sich, denn Fleisch, Milch und Eier von Tieren aus gut geführten Nutztierhaltungen sind für alle ein Gewinn: die Verbraucherinnen und Verbraucher, die Tiere und die Tierhalter.” Den Originalartikel finden Sie hier auf Seite 19.

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Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

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