Fischerei | Reden

Samstag, 29. September 2012
Festrede als Schirmherrin des Bayerischen Landesfischereitags 2012

Festrede als Schirmherrin des bayerischen Landesfischereitags
Donauwörth, 29.09.2012


-Es gilt das gesprochene Wort-



Liebe Angelfischerinnen und Angelfischer,
sehr geehrter Herr Präsident Braun,
meine Damen und Herren,

ich habe mich über Ihre Einladung zu Ihrem heutigen Landesfischereitag in Donauwörth sehr gefreut. Ich danke dem Präsidenten, Herrn Manfred Braun, und seinem Präsidium, für das Vertrauen, das er mir mit dieser Einladung entgegengebracht hat. Es ist mir eine besondere Ehre, dass ich als Schleswig-Holsteinerin gebeten wurde, die Schirmherrschaft für den diesjährigen Landesfischereitag zu übernehmen. Diese Aufgabe habe ich gern übernommen, denn ich fühle mich der Binnenfischerei und dem Angeln verbunden.

Mir ist bewusst, dass der bayerische Fischereiverband mich eingeladen hat, weil ich mich bereit erklärt habe, als Präsidentin eines gemeinsamen Dachverbandes der deutschen Angelfischerei zu kandidieren. Es ist an der Zeit, den begonnen Einigungsprozess erfolgreich zum Abschluss zu bringen.

Der Bayerische Landesverband gehört zu einer Initiativgruppe von Landesverbänden des DAV wie des VDSF, die sich zusammengefunden haben, den in der Schwebe befindlichen Prozess der Vereinigung der beiden Verbände voranzubringen. Die Mitglieder beider Verbände fühlen sich der Angelfischerei, dem Schutz und der Pflege der Gewässer, dem Erhalt der Fauna in den Gewässern verpflichtet. Sie teilen dieselben Werte. Junge Mitglieder, die in den neuen Bundesländern aufgewachsen sind und in den alten Ländern in die Ausbildung gehen oder umgekehrt, die in alten Bundesländern zur Schule gegangen sind und jetzt in den neuen Bundesländern studieren oder eine Ausbildung machen – und beides gibt es – können kaum die Existenz von zwei Verbänden verstehen. Und sie haben Recht. Beide Verbände bringen eigene Leistungen mit: Der DAV eine hervorragende Internetpräsenz, der VDSF die Anerkennung als eingetragener Naturschutzverband. Es ist eine gemeinsame Aufgabe aller, die sich dem Schutz der Gewässer mit ihrer natürlichen Fauna und Flora verpflichtet fühlen, die Öffentlichkeit über deren Gefährdungen zu informieren und ein hohes Schutzniveau zu gewährleisten. Das heißt konkret und insbesondere in Bayern, dass die Durchlässigkeit unserer Fließgewässer, wo sie noch vorhanden erhalten und wo sie nicht mehr gegeben ist, verbessert werden muss. Die Energiewende muss gestaltet werden, aber sie ist kein Freibrief, den Gewässerschutz mit Füßen zu treten.

Ich will mich Ihnen kurz vorstellen, denn ich vermute, dass ich als schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete der FDP hier weniger bekannt bin als bei mir zuhause. Mein Wahlkreis im schleswig-holsteinischen Kreis Herzogtum Lauenburg, den ich seit fast genau zehn Jahren als Abgeordnete im Deutschen Bundestag vertrete, liegt zwischen der alten Hansestadt Lübeck im Norden, der Elbe im Süden, der Metropolregion Hamburg im Westen und dem Biosphärenreservat Schaalseeregion, an der ehemaligen innerdeutschen Grenze im Osten. Der Schaalsee, tiefster See Deutschlands, ist auch durch das Vorkommen der Großen Maräne bekannt. Ich komme aus einem kleinen Dorf am Ratzeburger See. Ratzeburg, Inselstadt im und am Ratzeburger See ist einigen von Ihnen vielleicht durch den Rudersport bekannt. Der erste deutsche Goldachter stammt aus Ratzeburg. Ich bin Biologin, habe mit einer Arbeit über Algen promoviert. Wie Sie alle wissen, sind Algen die Ernährungsgrundlage für aquatische Ökosysteme. Man könnte also sagen, Algen sind für Fische das, was für uns der Weizen ist.

Meine politische Arbeit hat im lauenburgischen Kreistag als Vorsitzende des Umweltausschusses begonnen. Anschließend war ich 10 Jahre lang im Landtag Sprecherin für Umwelt und Landwirtschaft der FDP-Fraktion und inzwischen bin ich seit 10 Jahren Mitglied im Deutschen Bundestag, Sprecherin für Ernährung und Landwirtschaft meiner Fraktion und zuständig für die Fischereipolitik. Vom Beginn meiner politischen Tätigkeit bis jetzt, wurde ich von der Frage begleitet, wie gehen wir mit dem Kormoran um: Im lauenburgischen Kreistag, als es um die Verpachtung der Kreisseen ging, im Landtag, als die Kormoranbestände exponentiell wuchsen, wie auch jetzt im Deutschen Bundestag. Eine kleine Anerkennung für mein Wirken habe ich durch den Schleswig-Holsteinischen Fischereiverband erfahren, der mich 2008 mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet hat.

Die heutigen Präsentationen der Kreisverbände haben gezeigt und meine Kollegen in der Bundestagsfraktion insbesondere, Reiner Erdel und Horst Meierhofer haben mir davon berichtet, dass sich der Landesfischereiverband Bayern in seiner traditionsreichen Geschichte immer mit großer Fachkenntnis für die Belange der Fischerei wie auch des Gewässerschutzes eingesetzt hat. Dieser Einsatz wäre undenkbar ohne die ehrenamtliche Arbeit seiner über 130.000 Mitglieder. Gemeinsam stehen Sie für Tradition und Verantwortung. Tradition heißt nicht, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer der Begeisterung in kommende Generationen zu tragen. Deswegen ist in meinen Augen die Jugendarbeit von ganz besonderer Bedeutung. Der Landesfischereiverband leistet eine hervorragende Jugendarbeit. Hier möchte ich besonders die Initiative „Fischer machen Schule” hervorheben. Unseren Kindern wieder konkretes Wissen über das Leben in den Gewässern zu vermitteln, ist ein wichtiges Ziel.

Der diesjährige Landesfischereitag steht unter dem Motto „Unsere Fischereivereine – Gewinn für Fischer und Gesellschaft”. Ich finde, Sie haben dieses Motto sehr treffend gewählt. Die Fischer und Angler in Bayern, aber auch in den anderen Bundesländern, können zurecht stolz sein auf Ihr Engagement und Ihre Leistungen. Es ist überfällig, diese positive Bilanz verstärkt nach außen zu tragen. Der Referent des heutigen Vormittags, Dr. Rudolf Neumaier, hat wertvolle Hinweise gegeben, wie dies konkret geschehen kann. Unsere Gesellschaft braucht Ihr Engagement in den örtlichen Fischereivereinen, im Gewässerschutz und in der Jugendarbeit. Der Schutz und Erhalt unsere Gewässer, die Hege der bestehenden Fischbestände und die fachkundigen Anstrengungen, verlorene Lebensräume wieder herzustellen und ausgestorbene Fischarten wieder anzusiedeln, ist heute wichtiger denn je.

Wer Forderungen an die Politik stellt, gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn er anerkennt, was die Politik geleistet hat. Es ist in den letzten 30 Jahren gelungen, die Wasserqualität in unseren Gewässern entscheidend zu verbessern. Ihren Anfang hat diese positive Entwicklung durch die Verabschiedung des Abwasserabgabengesetzes im Jahr 1978 genommen. Es trägt die Unterschrift des späteren Außenministers Hans Dietrich Genscher. Die besondere Qualität des Gesetzes lag darin, dass es nicht nur Ziele definierte, sondern den Kommunen ein Instrument zur Verfügung stellte, mit dem diese Ziele auch erreicht werden konnten. Dadurch wurden die Lebensbedingungen für längst verloren geglaubte Arten wieder hergestellt. Die Biodiversität der Fischfauna in unseren Flüssen hat sich seither vergrößert, Wiederansiedlungsprogramme der Angelfischer bekamen eine reelle Chance. Die Versuche der Wiederansiedlung des Störs in Elbe und Oder zeigen Fortschritte, die Fischtreppe in der Elbe bei Geesthacht wurde auf die Größe des Störs ausgelegt. Die Anstrengungen in den Gewässerschutz waren erfolgreich und richtig. Mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie wurde auf europäischer Ebene ein weiteres wichtiges Instrument entwickelt, zusätzlich zur Verbesserung der Wasserqualität auch die Gewässerstruktur naturnäher zu gestalten. Die Investitionen von Betrieben und Kommunen in die Verbesserung der Wasserqualität und in die Gewässerstruktur dürfen jetzt nicht im Zeichen der Energiewende durch unüberlegten Verbau der Flüsse und Bäche mit Wasserkraftanlagen entwertet werden.

Warum ist der Verbau der Flüsse so ein schwerwiegender Eingriff in die Natur, werde ich von Energiepolitikern oft gefragt. Während der Vogelflug schon in der Grundschule unterrichtet wird, gehört die Wanderung von Fischen in unserer Gesellschaft zu den am besten gehüteten Geheimnissen. Lachse laichen im Oberlauf unserer Flüsse und schwimmen von dort ins Meer. Aale sind auf Gegenkurs, sie wachsen in unseren Seen und Flüssen heran und laichen in der Sargassosee. Beiden Fischarten ist gemeinsam, dass sie ohne diese Wanderungen sich natürlich nicht vermehren können. Der Verbau der Fließgewässer durch Wehre und Wasserkraftanlagen zerstört den Lebensraum der wandernden Fischarten. Alle Fischer wissen dies, doch in der Gesellschaft ist dies wenig bekannt.
 
Es gibt in Deutschland etwa 7700 Wasserkraftanlagen, mehr als die Hälfte davon werden in Bayern betrieben. Doch in den knapp 7300 kleinen Anlagen, Energieerzeugung weniger als 1 MW werden zusammen noch nicht einmal 10 Prozent der erzeugten Strommenge aus Wasserkraft produziert. Diese Zahlen stammen aus dem BMELV, das in der letzten Legislaturperiode von Herrn Seehofer geführt wurde. Die Produktion von Strom in diesen kleinen Anlagen geht vielfach einher mit der Zerhäckselung von Fischen. Dieser Eingriff in die Natur kann mit der Erzeugung einer nur geringen Menge Strom nicht begründet werden. Die Nutzung des allergrößten Teils unserer 7700 Wasserkraftanlagen kann daher mit der Energiewende nicht begründet werden. Es muss ein vordringliches Ziel der Politik sein, diese Anlagen naturverträglich umzurüsten, statt mit weiteren Anlagen die Flüsse zu verbauen.

In den 355 großen und mittleren Anlagen, welche die restlichen 90% der Strommenge produzieren, ist schon auf Grund der besseren Wirtschaftlichkeit die Investition in Umläufe und Fischtreppen darstellbar. Diese gewähren jedoch auch keine volle Durchlässigkeit. Hier machen die Fischereiverbände zurecht Politik und Gesellschaft lautstark auf die verheerenden Auswirkungen der Wasserkraft, insbesondere der kleinen Anlagen, aufmerksam. Ich habe mich bei den Verhandlungen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz gegen die geforderte Erhöhung der Förderung ausgesprochen. Es dürfen dem berechtigten Ziel einer klimafreundlichen Energiegewinnung nicht unsere Gewässer und ihre Bewohner geopfert werden. Dabei brauchen die Angler und Fischer Verbündete. Aus meiner Sicht haben Sie mit ihrem Faltblatt „Die Wahrheit über die Wasserkraft”, das Sie gemeinsam mit dem BUND und dem Vogelschutzbund herausgeben, ein Vorbild geliefert.

Die nachhaltige Angelfischerei in den Vereinen ist gelebter, praktischer Naturschutz. Ich setze mich bereits sein meiner Zeit als umweltpolitische Sprecherin der FDP im Landtag von Schleswig-Holstein dafür ein, dass die Bemühungen der Fischerinnen und Fischer für den Natur- und Artenschutz anerkannt werden. Wir sollten zu einem sachlichen, wissenschaftlich fundierten Dialog zwischen allen Beteiligten finden. Naturschutz kann auf Dauer nur mit den Menschen erfolgreich sein, nicht gegen sie.

Wünschenswert und dringend geboten ist eine Zusammenarbeit mit anderen Naturschutzverbänden insbesondere beim Dauerthema Kormoranmanagement. Leider hört für viele der Artenschutz an der Wasseroberfläche auf. Hier müssen wir bei den Vogelschützern verstärkt für ein besseres Verständnis werben. Denn der Kormoran bedroht weiterhin autochthone Fischbestände, wie das Beispiel der

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