NaWaRo / Wald

Donnerstag, 23. August 2012
HAPPACH-KASAN: Waldpolitische Empfehlungen des SRU-Umweltgutachtens sind realitätsfern

Berlin, den 23.8.2012: Zur Vorlage des korrigierten Umweltgutachtens 2012 des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) und der deutlichen Kritik führender deutscher Forstwissenschaftler an den Aussagen und Schlussfolgerungen des Gutachtens erklärt die forstpolitische Expertin der FDP-Bundestagsfraktion, Christel HAPPACH-KASAN:

Das Gutachten überschreitet in seinen Empfehlungen an die Politik die Kompetenz eines Sachverständigengutachtens. Es ist zudem erkennbar stärker an den politischen Meinungen der im Naturschutz engagierten Verbände als an fachwissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert, die in der universitären Forschung sowie in den verschiedenen Ressortforschungseinrichtungen erarbeitet wurden. Altbekannte Verbandsmeinungen werden teilweise völlig unkritisch übernommen. Die Handlungsempfehlungen werden durch die Aussagen im beschreibenden Teil vielfach nur unzureichend begründet. Dadurch wird leider die Aussagekraft  und Glaubwürdigkeit des Gutachtens gemindert. Denn Ausführungen wie zum Beispiel zur Honorierung ökologischer Leistungen, zur Wald-Wild-Problematik oder zur Bedeutung von KUP für die Holzversorgung könnten einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Zukunft unserer Wäldern erbringen. Leider wurde die Chance vertan, in einem solchen Gutachten Brücken zwischen der mehr biodiversitäts- und der mehr nutzungsorientierten Betrachtung des Waldes zu schlagen.
Die Organisation der Aufgabenbewältigung in den Ministerien ist keine nach wissenschaftlichen Kriterien zu treffende Fachentscheidung. Die Position des Umwelt- und Naturschutzes als politische Querschnittsaufgabe wird durch die Forderung nach einer Verlagerung der Waldpolitik aus dem BMELV in das BMU geschwächt.
Die Waldstrategie ist wie die Biodiversitätsstrategie vom Bundeskabinett beschlossen. Beide Strategien sind gleichberechtigt. Die vom SRU geforderte Unterordnung der Waldstrategie unter die Biodiversitätsstrategie verkennt die Bedeutung der Nutzung von Holz, unserem wichtigsten nachwachsenden Rohstoff, für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaft. Neben dem Erhalt der Biodiversität gibt es weitere politische Ziele, die in der Waldstrategie Berücksichtigung finden müssen. Sie beschreibt, wie langfristig eine weitgehende Eigenversorgung mit Holz der erforderlichen Baumarten sicherzustellen ist, ohne die Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie aus den Augen zu verlieren. Hot Spots der Artenvielfalt müssen geschützt werden, aber großflächige Flächenstilllegungen stehen allen Anstrengungen entgegen, einen eigenen Beitrag zur Versorgung mit Holz und zum Klimaschutz zu leisten und weiter zu steigern.
Die fundierte Kritik der Wissenschaftler der forstwissenschaftlichen Institutionen zeigt die Defizite des Gutachtens des SRU auf. Aktuelle wissenschaftliche Daten sowie politische und wirtschaftliche Entwicklungen werden in der Studie nicht berücksichtigt. Die Erfolge beim Erhalt der Biodiversität in unseren Wäldern bleiben unerwähnt. Konkrete Aussagen zu einzelnen Baumarten werden vermieden. Durch frühzeitige Einbeziehung forstwissenschaftlicher Kompetenz und damit einhergehender Berücksichtigung der vorliegenden Fachliteratur hätten die Defizite vermieden werden können.
Die multifunktionale, ressourcenschonende Forstwirtschaft und der integrierte Waldnaturschutz sind seit Jahrzehnten Prioritäten öffentlicher wie privater Waldbesitzer. Es sollte anerkannt werden, dass auch im Privatwald weitgehend eine am Gemeinwohl orientierte Bewirtschaftung der Wälder erfolgt. Die letzte Bundeswaldinventur hat dies gezeigt. Dies wird auch durch den hohen Anteil nach PEFC- oder FSC-Standard zertifizierter Wälder belegt. Beide Systeme haben ihre Stärken und sind in vielen wissenschaftlich geführten Vergleichen als im Wesentlichen gleichwertig eingestuft worden. Für Kleinwaldbesitzer ist jedoch nur die PEFC-Zertifizierung finanziell möglich. Auch der SRU sollte soviel Realitätssinn zeigen und diesen Umstand berücksichtigen. Durch die Zertifizierung und die Bestimmungen in Bundes- und Landeswaldgesetzen sind die ökologischen Mindeststandards bereits gesichert und die Nutzungsgrenzen werden aufgezeigt.

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