Grüne Gentechnik

Dienstag, 3. Juli 2012
Diskussion auf Cicero Online zum Beitrag "Man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen" von Christopher Then

Die gesamte Diskussion kann bei Cicero online nachverfolgt werden. Hier die Beiträge von Frau Happach-Kasan in der Diskussion: 1) Äpfel und Birnen Sehr geehrter Herr Then,
das Interview von Prof. Hans-Jörg Jacobsen vom 15. Juni 2012 „Bio? Ein Mythos!” ist wirklich lesenswert. Leider gehen Sie nur sehr eingeschränkt auf seine Argumente ein. Schon die Überschrift Ihrer Entgegnung führt in die Irre. „Man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen” - warum eigentlich nicht? Birnen und Äpfel gehören zu den Pyrinae, den Kernobstgewächsen und sind nah miteinander verwandt. Genauso ist es sinnvoll, die äußere Anwendung von Bt-Präparaten mit dem Anbau von Bt-Pflanzen zu vergleichen, die den Wirkstoff in sich haben. Die Bekämpfung von Schadinsekten mit Bt-Präparaten ist nämlich nicht immer erfolgreich. Die Raupen des Maiszünslers dringen sehr schnell in die Pflanze ein, aufgesprühte Bt-Präparate helfen dann nicht. Bt-Pflanzen sind dagegen für die Maiszünslerraupen giftig. Die umfangreichen Untersuchungen in Bayern haben gezeigt, dass sich für Mensch und Umwelt durch den Anbau von Bt-Pflanzen keine Risiken ergeben.
Ihre Kernthese besagt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen Risiken für Mensch und Natur ergeben. Bei jedem Risiko ist zu fragen, wie hoch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit des erwarteten negativen Ereignisses und welche Konsequenz hat das negative Ereignis? Beides beantworten Sie nicht. Risiken stehen oftmals Chancen gegenüber. Die Chancen erwähnen Sie nicht.
Sie behaupten „in manchen Regionen” hätten sich gentechnisch veränderte Pflanzen „unkontrolliert” ausgebreitet. Leider sagen Sie nicht, in welchen Regionen, in welchem Umfang und mit welchen Folgen. Das sollte man schon wissen, wenn man eine Züchtungsmethode unter Generalverdacht stellt. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass es gerade nicht gezüchtete Pflanzen, also Wildpflanzen sind, die die Fähigkeit haben, sich ohne Unterstützung durch den Menschen auszubreiten. Zum Beispiel breitet sich in Europa die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) unkontrolliert aus. Die Ambrosie ist eine in den USA heimische Wildpflanze. Sie bildet sehr viele Pollen, da sie vom Wind bestäubt wird. Ihre Pollen zählen zu den stärksten Allergie-Auslösern. Die Ambrosie hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit und ist außerdem in manchen Kulturen ein Problemunkraut.
Sie behaupten, der Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen habe Auswirkungen auf das Immunsystem. Da inzwischen gentechnisch veränderte Pflanzen auf 160 Mio. Hektar Fläche angebaut werden, seit 10 Jahren in den USA der Anteil von gentechnisch verändertem Soja über 80% liegt, sollten doch wohl konkretere Aussagen über Auswirkungen auf das Immunsystem gemacht werden können, wenn es sie tatsächlich geben sollte. Tiere werden dort nahezu ausschließlich mit gv-Pflanzen gefüttert und auch Tiere haben ein Immunsystem.
Prof. Jacobsen hat auf die zahlreichen Feldzerstörungen hingewiesen, durch die Gentechnikgegner Forschungen verhindert und in der Konsequenz aus Deutschland vertrieben haben. Sie gehen darauf nicht ein.
Ihr Kommentar zum Interview "Bio? Ein Mythos!" bringt uns in der Diskussion über die Gentechnik nicht weiter. Wir müssen in Deutschland Wege finden, die Chancen der Züchtungsmethode zu nutzen, z. B. durch den Anbau von Pflanzen, die gegen Schadorganismen resistent sind.  
Mit freundlichen Grüßen
Christel Happach-Kasan, MdB 2) Raps und Erdbeere ade!

Sehr geehrter Herr Then,

als Botanikerin bin ich mit der Ausbreitung von Pflanzen vermutlich vertrauter als Sie als Veterinärmediziner.

Daher ein Hinweis: Der Mensch kann die Kontrolle über die Ausbreitung von Pflanzen nicht verloren haben, weil er sie nie gehabt hat.

Alle Pflanzen verbreiten sich ohne Kontrolle des Menschen. Wer kontrolliert denn den Samenflug des Löwenzahn, die Verbreitung von Eicheln durch den Eichelhäher, die Verbreitung der Schwarzerlensamen durch Wind und Wasser? Die Strategien der Pflanzen zur Verbreitung ihrer Samen sind überaus vielfältig. Ich kann in meinem Garten noch nicht einmal die Verbreitung des Lerchensporns kontrollieren. Ameisen verbreiten ihre Samen und beachten auch nicht die Grundstücksgrenze.

Welches Ziel verfolgen Sie damit, Menschen glauben zu machen, die Verbreitung von Samen würde vom Menschen kontrolliert? Allein die Aussaat auf dem Acker ist kontrolliert oder die Anpflanzung im Wald oder im Garten, jede andere Verbreitung von Pflanzen geschieht unkontrolliert.

Obwohl landwirtschaftliche Nutzpflanzen auf großen Flächen angebaut werden, verbreiten sich diese nicht in der Natur. In Deutschland konnten sich nach einem Gutachten, das im Auftrag des BfN erstellt wurde, 363 nicht heimische Pflanzen etablieren. Von diesen sind 30 Arten invasiv. Die Hälfte davon sind eingeschleppte Ackerunkräuter. Darunter sind keine landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Schäden für die menschliche Gesundheit verursachen die Herkulesstaude und die Beifuß-Ambrosie.

Landwirtschaftliche Nutzpflanzen kreuzen sich mit heimischen Wildpflanzen, sofern sie nahe genug verwandt sind. Das ist unabhängig davon mit welcher Züchtungsmethode sie gezüchtet wurden. Insofern besteht die Möglichkeit, dass alle Nutzpflanzen mit heimischen Kreuzungspartnern die Evolution heimischer Pflanzen beeinflussen. Für Raps ist nachgewiesen, dass er sich mit Kreuzblütlern kreuzt, es ist zu vermuten, dass Erdbeeren, verschiedene Obstarten aus der Familie der Rosengewächse, Gewürzpflanzen ebenfalls Kreuzungspartner in der Natur haben. Ihr Anbau könnte möglicherweise die Evolution heimischer Pflanzen beeinflussen. Ihren Gedanken zu Ende gedacht, heißt das: Raps und Erdbeere ade. Raps und Erdbeere sind durch Züchtung im Sinne menschlicher Nutzungsinteressen weiterentwickelt worden. Ihr züchterisch veränderter Genpool beeinflusst die Evolution heimischer Pflanzen „keine noch so unwahrscheinliche Möglichkeit kann ausgeschlossen werden.”

Bei Ambrosie und Herkulesstaude kennen wir den Schaden, den die Pflanzen verursachen. Das BfN hat sogar eine Schätzung für den finanziellen Schaden abgegeben. Sie aber bleiben die Antwort schuldig, welchen Schaden gentechnisch veränderter Raps außerhalb der Äcker in Nordamerika verursacht. Hat er sich überhaupt etabliert?

Nach 16 Jahren des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen auf über 160 Mio. Hektar Ackerfläche, Deutschland hat eine Fläche von 35 Mio. Hektar, sollten doch wohl genauere Angaben möglich sein über die von Ihnen postulierten Veränderungen des Immunsystems. Sind Zellen des Immunsystems betroffen, wenn ja, in welcher Weise, sind Plasmaproteine betroffen? Kann es sein, dass Sie nichts darüber wissen und nur spekulieren oder es einfach nur glauben wollen?

Angesichts des Erfolgs der gentechnisch veränderten Nutzpflanzensorten außerhalb Europas – mit Ausnahme von Spanien – ist es an der Zeit, die Schilderung von völlig unrealistischen Horrorszenarien zu beenden und die realen Chancen zu nutzen. Pilzresistente Pflanzen könnten die Qualität unserer Lebensmittel verbessern und die Natur durch den Verzicht auf Kupfer als Pflanzenschutzmittel schonen. Eine Kartoffel ist im Zulassungsverfahren. Der Apfelversuch wurde von Gentechnikgegnern zerstört. Dies hat die fehlende Kraft der Argumente der Gentechnikgegner eindrucksvoll belegt.

Mit freundlichen Grüßen
Christel Happach-Kasan

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