NaWaRo / Wald | Reden

Donnerstag, 28. Juni 2012
Rede zu TOP 31: "Waldstrategie 2020"

Rede zu TOP 31 zu Protokoll

Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (10. Ausschuss)
- zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung "Waldstrategie 2020 Nachhaltige Waldbewirtschaftung – eine gesellschaftliche Chance und Herausforderung"
- zu dem Entschließungsantrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
zur "Waldstrategie 2020" > Drucksachen 17/7292, 17/7667, 17/8915 <



Sehr geehrter Herr Präsident!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die am letzten Wochenende zu Ende gegangene Konferenz „Rio +20” hat auf globaler Ebene herausgearbeitet, dass Klimawandel, der Erhalt der Biodiversität, die Stärkung der Nachhaltigkeit der Wirtschaft uns vor große Herausforderungen stellt. Zur Umsetzung dieser Ziele haben wir uns auch in Deutschland verpflichtet. Die Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 legt technisch-wissenschaftliche Grundlagen für die Vision einer bio-basierten Wirtschaft. Es gilt, neue Technologien zu entwickeln, um die vorhandenen Ressourcen effizienter zu nutzen, unsere natürlichen Lebensräume zu bewahren und verstärkt nachwachsende Rohstoffe in allen Bereichen einzusetzen.
Auch wenn diese Ziele in Ihrer Bedeutung gleichrangig sind, so bergen die Maßnahmen zu ihrer Umsetzung ein erhebliches Konfliktpotential. Holz ist der  bedeutendste nachwachsende Rohstoff in Deutschland.  Unsere Wälder sind Standort der Holzproduktion, sie dienen gleichzeitig der Erholung und sind Lebensraum für viele heimische Tiere und Pflanzen.
Die Waldstrategie 2020 der Bundesregierung, über die wir heute erneut diskutieren, hat sich die Aufgabe gestellt, die Ansprüche an den Wald, die im Naturschutz, in der Produktion von Holz und in der Naherholung liegen, in Einklang zu bringen. Sie ist eine gute Basis für die künftige Forstpolitik. Darin waren sich die Sachverständigen aus Forstverwaltung und Forstwirtschaft, Naturschutz und Wissenschaft bei einer Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Bundestages weitgehend einig. Die Waldstrategie benennt die Anforderungen an den Wald sowie die widerstreitenden Interessen und baut dadurch Brücken zwischen den verschiedenen Interessengruppen.
Bereits seit langer Zeit sind sich in Deutschland Waldbesitzer, Politik und Gesellschaft bewusst, dass nur eine ausgewogene, nachhaltige Nutzung unserer Wälder ihren Bestand und ihre Nutzbarkeit langfristig sichert. Der Begriff „Nachhaltigkeit” ist von der Forstwirtschaft geprägt worden. „Nachhaltigkeit” bedeutet die gleichwertige Berücksichtigung der Anliegen von Ökonomie, Ökologie und Sozialverträglichkeit. Diesen Anliegen müssen wir im Rahmen der Waldstrategie gerecht werden.
Das Cluster Forst und Holz hat in Deutschland eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Es ist Grundlage für mehr als eine Million Arbeitsplätze, die erheblich zur Stärkung der Wirtschaftskraft ländlicher Räume beitragen. Dies müssen wir bei all unseren Entscheidungen im Blick haben.
Die Waldstrategie ist eine eigenständige Strategie der Bundesregierung. Sie steht gleichberechtigt neben der Biodiversitätsstrategie.  Sie weist Wege, die wirtschaftliche Nutzung der Wälder in der Holzproduktion mit den Zielen des Naturschutzes zu vereinbaren. Nach aktuellen Schätzungen sind bereits heute rund zwei Drittel der deutschen Waldfläche mindestens einer Schutzgebietskategorie nach Bundesnaturschutzgesetz, den Landeswaldgesetzen, der europäischen FFH-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie (Natura 2000) zugeordnet. Der Artenrückgang im Wald ist nach den Angaben des BfN geringer als in allen anderen Biotopen, bewirtschaftete Wälder haben einen größeren Artenreichtum als nicht bewirtschaftete Wälder. Die letzte Bundeswaldinventur hat der multifunktionalen Forstwirtschaft ein gutes Zeugnis ausgestellt. Gleichwohl gilt: Hot Spots der Artenvielfalt müssen geschützt werden, aber großflächiger Nutzungsverzicht ist nicht sinnvoll. Flächenstilllegungen stehen den Anstrengungen entgegen, den Beitrag der Forst- und Holzwirtschaft zum Klimaschutz zu sichern und weiter zu steigern. Pläne der baden-württembergischen Landesregierung, großflächig Wälder des Nordschwarzwaldes aus der Nutzung zu nehmen, schwächen die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum, ohne besondere Naturschutzleistungen zu erbringen. Dies ist nicht nachhaltig.
Der Rohstoff Holz hat hervorragende Werkstoffeigenschaften, die seinen Einsatz in sehr vielen Wirtschaftsbereichen ermöglicht. Daher wird der Bedarf am Rohstoff Holz weiter steigen. Holz aus heimischer Produktion erfüllt alle Kriterien einer nachhaltigen und umweltverträglichen Produktion. Die Forstwirtschaft steht vor der Herausforderung, Ziele des Naturschutzes bei der Baumartenwahl unter den sich ändernden klimatischen Bedingungen mit den Nutzungsanforderungen in Einklang zu bringen.
Bereits jetzt zeichnet sich ein erheblicher Mangel am derzeit überwiegend genutzten Nadelholz ab. Der im Hinblick auf die natürliche Vegetation betriebene Umbau unserer Wälder verstärkt diesen Trend dramatisch. 70 % der jungen Waldbestände sind Laubwälder. Es ist somit absehbar, dass heimischen Sägewerken und damit der Bauwirtschaft das Nadelrohholz ausgehen wird. Die Möglichkeiten, Laubholz als Alternative zum Nadelholz zu verwenden, sind aufgrund der unterschiedlichen Werkstoffeigenschaften stark eingeschränkt. Daher muss vermehrt darauf geachtet werden, dass der Anteil an Nadelholz in Mischwäldern erhalten und vergrößert wird.
Die Waldstrategie legt zurecht das Hauptaugenmerk darauf, langfristig eine Eigenversorgung mit den erforderlichen Holzarten sicherzustellen, ohne die Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie aus den Augen zu verlieren. Die Fichte, die in vielen Regionen heimisch und der „Brotbaum” der Forstwirtschaft ist, darf daher nicht verteufelt werden. Im Hinblick auf die Erfordernisse der Nutzung sind im Mischwald in einem für die Biodiversität annehmbaren Rahmen Anteile nicht heimischer, standortgerechter Baumarten wie Douglasie oder Robinie zu akzeptieren. Der zehnprozentige Anteil von Douglasien im FSC-zertifizierten Freiburger Stadtwald könnte als Vorbild dienen. Nichtheimische Baumarten können von der heimischen Insektenfauna zumeist nicht genutzt werden und sind deshalb in ihrem  Anteil zu begrenzen. Dem Schutz der ökologisch bedeutenden Buchenwälder wird bereits durch die Bonner Thesen zum „Naturerbe Buchenwälder” in ausreichendem Maße Rechnung getragen.
Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Waldstrategie 2020, die von der Bundesregierung vorgelegt wurde und von vielen Verbänden mitgetragen und mitgestaltet worden ist, eine gute Strategie für die Zukunft unserer Wälder haben. Deutschland ist eines der wenigen Länder weltweit, in denen neue Wälder entstehen. Wir müssen die aufgeworfenen Problemfelder in Verbindung mit den Ergebnissen der Bundeswaldinventur im nächsten Jahr in konkrete Forschungsziele und Handlungsanweisungen umsetzen. Alternative Nutzungsmöglichkeiten für Laubholz, Klimaanpassung und die Koexistenz von Waldnutzung und Biotopschutz sind dafür drei wichtige Beispiele. Die Arbeit an der Zukunft unserer Wälder hat erst begonnen.

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