Schleswig-Holstein

Mittwoch, 25. April 2012
Fehlalarm muss aufgearbeitet werden

Es ist erfreulich, dass sich meine Vermutung bestätigt hat: Die erhöhten Strahlenwerte in der Nüssauer Heide bei Büchen haben sich nach Überprüfung als Messfehler erwiesen. Trotzdem bleiben Fragen unbeantwortet. Der Vorfall muss deshalb aufgearbeitet werden.
Es fällt schon schwer nachzuvollziehen, warum beim Übungs-Szenario „Flugzeugabsturz” nach Radioaktivität gesucht wurde. Die dabei gewonnen Messwerte hätten mit spitzen Fingern angefasst werden müssen, denn es fehlt jede plausible Erklärung, wie diese zustande gekommen sein sollten:
Hinweise auf DU-Geschosse (panzerbrechende Munition mit Projektilen aus abgereicherten Uran) die in diesen Tagen die Runde machten, sind absurd, weil die Bundeswehr sie nicht besaß, als sie die Fläche vor Jahrzehnten nutzte, sie schon aus Kostengründen nie bei Übungen eingesetzt wird und hohe Messwerte nicht erklären kann. Auch eine Eintrag über die Luft kann sicher ausgeschlossen werden: In Büchen befindet sich eine Messstelle des Bundesamtes für Strahlenschutz, die rund um die Uhr die Umweltradioaktivität dokumentiert. Auffälligkeiten gab es nicht. (http://odlinfo.bfs.de/cvdata/010530202.php).
Es darf nicht sein, dass Beteiligte einer Übung gegenüber einzelnen Medienvertretern ungesicherte Messwerte durchstechen, noch bevor diese überprüft sind und diese auch noch bewerten. („... deuten auf die höchste messbare Strahlungseinheit hin”). Der Umgang mit den Medien und der Öffentlichkeit entspricht nicht den Anforderungen an einem transparenten, sachlich ordentlichen Umgang mit sensiblen Informationen. Einzelne Medien müssen sich fragen lassen, auf welch dünner Datenlage sie eigentlich ihre Titelseiten füllen.
Es dürfen aber auch nicht mehrere Tage vergehen, ohne dass eine Überprüfung fragwürdiger Messwerte stattfindet. Hätte es nicht nahe gelegen, die Fachkompetenz aus Geesthacht zu nutzen? Nach meiner Einschätzung sollten vermeintliche oder echte Risiken schneller und entschlossener validiert werden. Die Verunsicherung der Anwohner ist nicht hinnehmbar und auch vermeidbar.
Die jetzt gefundene Erklärung von Fachleuten aus Kiel, es handele sich um „eine statistische Schwankung”, erklärt zwar die Messwerte, aber nicht den fragwürdigen Umgang mit ihnen. Der zu hörende Vorwurf, hier sei ein interner Streit über einen beteiligten Journalisten in den Medien ausgetragen worden, ist nicht völlig unplausibel. Wenn Interessenskonflikte von Medienvertretern aber zu einer Fehlinformation und Verunsicherung der Bevölkerung führen, wird es bedenklich.

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