Landwirtschaft

Mittwoch, 22. Februar 2012
HAPPACH-KASAN: FDP-Agrarkongress nimmt landwirtschaftliche Zukunft in den Blick

Anlässlich des Kongresses der FDP-Bundestagsfraktion „Zukunftschancen für die unternehmerische Landwirtschaft” in Kiel erklärt die agrar- und ernährungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan:

Der unternehmerische Landwirt hat in Schleswig-Holstein gute Zukunftsaussichten. Das ist das Fazit des FDP-Agrarkongresses „Zukunftschancen für die unternehmerische Landwirtschaft” in Kiel. Hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Praxis beleuchteten die Chancen der Landwirtschaft in Schleswig Holstein unter den besonderen Gesichtspunkten der Milcherzeugung und der Erzeugung von Bioenergie.

Prof. Dr. Peter Michael Schmitz von der Justus-Liebig-Universität Gießen forderte in seinem Vortrag „Nachhaltige Landwirtschaft in globaler Verantwortung” eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft zur Produktionssteigerung. Er stellte anschaulich dar, dass die globalen Herausforderungen an die Landwirtschaft, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren, weltweiten Hunger zu stillen und die Nachfrage an Agrarrohstoffe zu befriedigen, nur zu bewältigen sind, wenn:

  • es faire Wettbewerbsbedingungen für die Landwirte am globalen Markt gibt,
  • die moderne Landwirtschaft und Ernährungsindustrie nicht stigmatisiert werden, sondern die Gesellschaft offen gegenüber neuen Technologien ist,
  • die europäische Agrarpolitik entbürokratisiert wird und es keine Vermischung von 1. und 2. Säule gibt, keine verordnete Flächenstilllegung, keine Degression und Kopplung, sondern das unternehmerische Können des Landwirts über den Betriebserfolg entscheidet,
  • Intensivlandwirtschaft und Ökolandbau standortangepasst betrieben werden und eine nachhaltige Produktionssteigerung gelingt,
  • in Entwicklungsländern gute Regierungsführung unterstützt wird, Hilfen bei der Bildung und Ausbildung gegeben werden und ein Technologietransfer von entwickelten Ländern in diese Länder organisiert wird.

Johannes Thomsen, Berater für Rinderhaltung in der Landwirtschaftskammer, ging auf die besondere Bedeutung der Rinderhaltung in Schleswig-Holstein ein, die 45% der Wertschöpfung der Landwirtschaft in S-H erbringt. Betriebe mit gutem Management konnten in den letzten Jahren wachsen, während ineffiziente Betriebe aufgeben mussten. Die Milchleistung der Kühe wurde gesteigert ebenso wie die Milchproduktion pro Hektar Futterfläche. Diese Steigerung ist eine Antwort auf Flächenknappheit und Flächenkonkurrenz. Schleswig-Holstein ist auf die Beendigung der Milchquote gut vorbereitet, ärgerlich ist die Superabgabe bei Überlieferung der Quote. Obwohl die Molkereistruktur im Süden günstiger ist, ist die Milchproduktion in den Norden gewandert.

Auch Werner Schwarz, Präsident des Landesbauernverbandes stellte fest, dass schleswig-holsteinische Landwirte auf Wachstum setzen. Die günstigen klimatischen Bedingungen, die hohen Ertragspotentiale sowie eine gute Futtereffizienz in der Tierhaltung bieten eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Landwirtschaft. Allerdings sind die Potentiale noch nicht aus-geschöpft und es bedarf jetzt einer Effizienzrevolution, um dem Verbraucher weiterhin qualitativ hochwertige und preiswerte Nahrungsmittel anbieten und die Nachfrage an Agrarrohstoffen befriedigen zu können. Er stellte heraus, dass global die Ertragsregion Deutschland dringend gebraucht werde. Deutschland ist zwar nach den Niederlanden drittgrößter Exporteur von Lebensmitteln aber dennoch Nettoimportland.  

In der anschließenden Podiumsdiskussion spielte die Grüne Gentechnik eine große Rolle, als die Frage aufgeworfen wurde, ob es möglich sein, dass ein Landkreis sich als „gentechnikfrei” bezeichnen könne. Britta Reimers, Mitglied des Europaparlamentes führte aus, dass eine solche Deklaration unmöglich sei, da die Gentechnik bereits in vielen Bereichen des täglichen Lebens Einzug gehalten habe, so z.B. als Baumwolle in unseren Euroscheinen. Professor Schmitz hielt eine solche politische Festlegung für verfassungsrechtlich bedenklich, da es die freie Berufsausübung der Landwirte einschränke.
 
Ein weiteres, umstrittenes Thema war die Kofinanzierung von Programmen aus der II. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik. Gerade Länder, welche eine Haushaltskonsolidierung beschlossen haben wie Schleswig-Holstein, können die Kofinanzierung nicht immer aufbringen. Hier gibt es Ansätze zur Lösung: Die FDP fordert auf nationaler und europäischer Ebene, dass die Kofinanzierung auch von Stiftungen oder aus dem Kreditwesen generiert werden kann. Britta Reimers erklärte, dass die FDP sich im europäischen Parlament für eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik einsetzt, welche den Landwirten unternehmerische Freiheit und die Erwirtschaftung von Einkommen am Markt ermöglicht. Verordnete Flächenstilllegungen und Eingriffe in Betriebsstrukturen beispielsweise durch Kappung sind falsche Instrumente einer dirigistischen Politik der Vergangenheit.

Zum Schluss wurde in der Diskussionsrunde das Tier wohl angesprochen. Herr Thomsen betonte, dass das Tier wohl nicht von der Bestandsgröße abhängt, sondern vom guten Management des Betriebsleiters und der Tierbetreuer. Trotzdem gibt es in der Rinderhaltung kritische Haltungsformen, beispielsweise die Anbindehaltung und die Kälbermast. Beide sind in Schleswig-Holstein von untergeordneter Bedeutung.

Der zweite Teil des Kongresses widmete sich der Erzeugung und Nutzung von Energie aus Biomasse. Dabei wurden sowohl die Erzeugung von Wärme als auch von Strom und Biokraftstoffen betrachtet.
Professor Dr. Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel stellte die Potentiale für Bioenergie weltweit dar. Bisher habe die Verfeuerung von Holz den größten Anteil an der Bioenergienutzung. Wesentliches Ziel der energetischen Biomassenutzung sei die Minderung der CO2-Emissionen. Deshalb müsse das Kriterium CO2-Minderung entscheidenden Einfluss auf die Förderung haben. Dies sei zurzeit nicht der Fall. Langfristig plädierte er auf die Einbeziehung der Erneuerbaren Energien in den Zertifikatehandel. Die Nutzung von Primärwäldern wie auch von Weideland schloss er aus, die Biomasseproduktion in Kurzumtriebsplantagen ist dagegen eine zusätzliche Möglichkeit. Die Szenarien, wie viel Fläche für die Erzeugung von Agrarrohstoffen zur Verfügung stehen, haben eine große Bandbreite, die unter anderem abhängt vom Bevölkerungswachstum wie auch dem Fleischkonsum in Schwellenländern. Durch die Schließung regionaler Ertragslücken (z.B. Vermeidung von Ernteverlusten, Einsatz ertragreicherer Sorten, Düngung) könne mehr Nahrung pro Fläche erzeugt werden und so Potentiale für die Bioenergie frei werden. Er wies darauf hin, dass vor dem 1. Weltkrieg ein Drittel der Ackerfläche in Deutschland für Futter für Zugtiere genutzt wurde.

Professor Dr. Friedhelm Taube, Christian-Albrecht-Universität Kiel, ging auf die Biogaserzeugung in Schleswig-Holstein ein. Bei den 400 vorhandenen Biogasanlagen ist das dominierende Fermentationssubstrat der Mais. Mehr als ein Drittel des angebauten Maises in Schleswig-Holstein geht in eine Biogasanlage. Mais ist eine effiziente Energiepflanze bei geringem Stickstoff- und Phosphoreinsatz. Er plädierte für eine Landnutzung, die sich an den spezifischen Standorteigenschaften orientiert. Moorige Standorte setzen z. B. bei ackerbaulicher Nutzung Emissionen frei. Falsche Nutzungskonzepte bei uns könnten in anderen Regionen einen ungewollten Landnutzungswandel bewirken. Professor Taube fordert eine kohärentere Politik, um höchste Ökoeffizienz zu erreichen, das erneuerbare Energiegesetz, die Cross-Compliance-Bestimmungen und die Programme aus der 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik müssen aufeinander abgestimmt werden. Außerdem muss sichergestellt werden, dass durch gute Wärmekonzepte die Biomasse effizienter als bisher genutzt wird.

Professor Dr. Klaus Dierssen, Institut für Ökosystemforschung der Christian-Albrecht-Universität Kiel, führte zu den Ansprüchen des Naturschutzes an die Produktion von Biomasse zur energetischen Nutzung aus. Er fordert ein Handeln nach dem Verursacherprinzip, umweltschonendes Wirtschaften muss preiswerter sein als umweltbelastendes. Deshalb müssen ökologische Ressourcen in ökonomische Bilanzen einbezogen werden. Allerdings ist die Bewahrung der Biodiversität eine ethische Verpflichtung und lässt sich volkswirtschaftlich nicht monetarisieren. Die Phase der In-Kulturnahme hat die Landschaft Schleswig-Holsteins stark bereichert, jedoch wurden durch intensive Landnutzung auch Pflanzen und Tiere verdrängt, deren Potentiale als Nützlinge nicht mehr vorhanden sind.

Dass die Thesen der drei Wissenschaftler durchaus streitbar waren, wurden in der folgenden Podiumsdiskussion deutlich. Dr. Christel Happach-Kasan, Abgeordnete des Deutschen Bundestages, betonte, wie wichtig faire Wettbewerbsbedingungen für die Landwirte, aber auch für die Natur sind. Es stellt eine enorme Herausforderung an die Politik dar, beispielsweise beim Erneuerbare Energiengesetz (EEG) die Einspeisevergütung so zu gestalten, dass Landwirte, die ihr Einkommen am Markt erwirtschaften, eine faire Chance erhalten gegenüber Landwirten, die ihr Einkommen durch die politisch festgesetzte Einspeisevergütung erwirtschaften. Die Gesetzesnovelle habe zahlreiche Fehler des alten Gesetzes korrigieren können, die Kombination von Gülle- und Nawarobonus sei beispielsweise abgeschafft worden. Sie plädierte für hohe Standards in Bildung und Ausbildung und eine stärkere Wissenschaftsorientierung. Fachgerechter Naturschutz und ressourcenschonende Landwirtschaft schließen sich nicht aus. Die Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen dient beiden. An dieser Aussage wurde eine grundsätzliche Problematik deutlich: Die Wissenschaft hat teilweise erhebliche Schwierigkeiten, ihre Erkenntnisse der Bevölkerung gegenüber sowie  den Medien und der Politik gegenüber darzustellen und eine Berücksichtigung ihrer Erkenntnisse bei politischen Entscheidungen aber auch beim Verbraucherverhalten zu erwirken. Alle waren sich einig, dass hier noch Verbesserungsbedarf besteht.  

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema