Ernährung

Freitag, 2. Dezember 2011
HAPPACH-KASAN: Verstärkte Verbraucheraufklärung für weniger Lebensmittelverschwendung

Anlässlich eines Expertengespräches zum Thema Lebensmittelverschwendung erklärt die agrar- und ernährungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan: Das Thema Lebensmittelverschwendung stand in den vergangenen Monaten verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit. Beim Fachgespräch der FDP-Bundestagsfraktion waren sich alle Experten einig, dass es verschiedener Lösungsansätze zur erfolgreichen Vermeidung von Lebensmittelverschwendung bedarf. Die Wertschöpfungskette müsse auf Optimierungspotentiale hin überprüft werden. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen über den Umgang mit Lebensmitteln, über deren Haltbarkeit und die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) aufgeklärt werden. Zudem müsse der Wert von Lebensmitteln stärker in das Bewusstsein gerückt werden. Denkbar wäre es auch, für quasi unbegrenzt haltbare Lebensmittel, wie bspw. Mineralwasser und Nudeln, kein Mindesthaltbarkeitsdatum mehr zu verlangen. Eine mögliche Umbenennung des MHD wurde von allen Experten abgelehnt. Die Anhörung verdeutlichte auch die Notwendigkeit von aktuellen und belastbaren Zahlen, an welchen Stellen der Lebensmittelkette welche Mengen verschwendet werden. Das Fazit der Expertenrunde war eindeutig: Den Verbraucherinnen und Verbrauchern fehlt oft das Wissen über die Verderblichkeit von Lebensmitteln und die Erfahrung, mit Lebensmitteln sorgsam und verantwortlich umzugehen. Hier muss die Bildung schon im Kindergarten und in der Schule ansetzen. Wir müssen wieder unseren Kenntnissen und unseren Sinnen vertrauen, um zu erkennen, wann ein Lebensmittel tatsächlich verdorben ist. Daten können nur Anhaltspunkte bieten. Peter Feller von der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) hob her-vor, das die gesamte Branche ständig an der Minimierung von Lebensmittelabfällen arbeite. Die relativ hohen Rohstoff- und Produktionskosten und die engen Gewinnmargen führen zu einer effizienten Auslastung und Verarbeitung der agrarischen Rohstoffe. Potential zur Vermeidung von Abfällen gäbe es jedoch in den Entwicklungsländern. Bis zu 50 Prozent der Ernte gingen dort durch Nachernteverluste, mangelhafte Lagerbedingungen und Transportverluste verloren. Udo Hemmerling vom Deutschen Bauernverband erklärte, dass eine ausgefeilte Logistik und die funktionierende Kühlkette in Europa seit Jahrzehnten zur Minimierung der Nachernteverluste beitragen. Er betonte, dass eine moderne und verlustarme Lagerhaltung auch eine verantwortungsvolle Anwendung von Bioziden bedeutet. Thorsten Sach vom Milchindustrieverband erklärte die rechtlichen Vorgaben des Mindesthaltbarkeitsdatums. Das Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert beispielsweise bei Milchprodukten nicht nur geschmackliche, sondern auch sensorische Qualitäten. Ein Produkt, welches im Namen seine Frische betont (Frischkäse) sei mit einem langen MHD unglaubwürdig, auch wenn die Haltbarkeit über das Datum hinaus gegeben sei. Er betonte ebenfalls, dass im Produktionsprozess auf die Minimierung von Abfällen hingearbeitet werde, jedoch unterlägen die Reinigungsprozesse der Molkereien europäischen Hygienestandards, so dass dort gewisse Restmengen anfallen, welche dann allerdings in der Regel für Biogasanlagen genutzt würden. Franz-Martin Rausch vom Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels führt aus, dass Handelsnormen für Obst und Gemüse inzwischen seltener die Ursache für Lebensmittelverschwendung seien. Aussortierte Produkte würden direkt in die Weiterverarbeitung gehen. Der Lebensmittelhändler habe eine originäres Interesse an langen Haltbarkeitsdaten, um gut disponieren zu können und die Waren über einen langen Zeitraum abverkaufen zu können. Dr. Evelyn Schmidtke vom Bundesverband der Verbraucherzentrale schlug vor, dass an das Preisbewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher appelliert werden solle. Sie legte eine Schätzung vor, nach der in deutschen Privathaushalten pro Person jährlich Lebensmittel im Wert von ca. 300 Euro weggeworfen werden. Ursachen sind Verderb, falsche Lagerhaltung, andere Geschmackserwartungen und auch Unkenntnis über die Bedeutung des MHD. Die Aufklärung des Verbrauchers muss nicht nur beim MHD ansetzen, sondern auch über die Lagerung von Lebensmitteln, effizientes Kochen und Resteverwertung. Gerd Häuser vom Bundesverband Deutsche Tafel führte aus, dass die Tafeln an die gleichen rechtlichen Auflagen gebunden seien wie der Handel und keine Lebensmittel abgeben, bei denen das MHD überschritten sei. Er sehe größere Abfallmengen bei loser Ware wie Obst und Gemüse sowie bei Convenience-Produkten, da hier zum einen stärker selektiert würde und größere Unkenntnis herrsche. Er schlug vor, das Verzehrsdatum oder auch Verfallsdatum genannt, nach dessen Ablauf sensible Produkte tatsächlich gesundheitsgefährdend sein können, farblich vom Mindesthaltbarkeitsdatum zu unterscheiden.

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