Fischerei

Donnerstag, 17. November 2011
Offener Brief an NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller

Offener Brief (als PDF herunterladen)

Sehr geehrter Herr Miller,

der Antrag „Fischartenschutz voranbringen – Vordringliche Maßnahmen für ein Kormoranmanagement” (Bundestagsdrucksache 17/7352) der Koalitionsfraktionen wurde am 10. November mit großer Mehrheit vom Deutschen Bundestag beschlossen. Ihr Schreiben vom 7. November  und die zugehörige Pressemitteilung vom 8. November habe ich mit Verwunderung zur Kenntnis genommen.
Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass der Naturschutzbund Deutschland, den ich für seine sachliche und ergebnisorientierte Arbeit sehr schätze, sich für den von ihm im Jahr 2010 als Vogel des Jahres benannten Kormoran einsetzt. Deshalb war ich überrascht, dass Sie den von mir eingebrachten Antrag offenbar nicht mit der angebrachten Sorgfalt gelesen haben. Ich bin gerne bereit, Ihnen unser Anliegen darzustellen.
Entgegen Ihrer Behauptungen spielt unser Antrag nicht den Schutz unterschiedlicher Tierarten gegeneinander aus. Im Gegenteil. Wir stellen heraus, dass der Schutz des Kormorans sehr erfolgreich gewesen ist und einen der größten Erfolge für den Naturschutz darstellt. Dieser Erfolg stellt nun jedoch eine direkte Bedrohung für andere lokal bedrohte, autochthone Bestände von Beutetieren wie der Äsche dar. Dies wird auch in der Roten Liste des BfN ausgeführt. Angesichts dieser Situation auf dem absoluten Schutz des Kormorans zu beharren, hieße, den Schutz anderer Tierarten zu missachten. Da der Kormoran inzwischen in küstenfernen Regionen als Brutvogel vorkommt, wo er früher allenfalls Irrgast war, kann dort eine Regulierung erforderlich werden.  
Unser Antrag ist nicht darauf ausgerichtet, europäisches oder nationales Recht zu missachten. Wir fordern, die Bundesregierung möge sich „unter Beachtung der EU-Vogelschutzrichtlinie” für einen Managementplan einsetzen und dessen Auswirkungen wissenschaftlich beobachten. Weiterhin fordern wir Eingriffe in Schutzgebiete „in Übereinstimmung mit bestehenden Vorschriften” nur, wenn dies zum Schutz bedrohter Fischarten nachgewiesenermaßen notwendig ist. Reduktionsmaßnahmen sollen nur schrittweise unter populationsdynamisch begründeten Zwischenzielen unter wissenschaftlicher Begleitung durchgeführt werden.
Die europäische Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG führt unter den Erwägungsgründen hierzu auf:
(7) Bei der Erhaltung der Vogelarten geht es um den langfristigen Schutz und die Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen als Bestandteil des gemeinsamen Erbes der europäischen Völker. Sie gestattet die Regulierung dieser Ressourcen und regelt deren Nutzung auf der Grundlage von Maßnahmen, die für die Aufrechterhaltung und Anpassung des natürlichen Gleichgewichts der Arten innerhalb vertretbarer Grenzen erforderlich sind.
(10) Einige Arten können aufgrund ihrer großen Bestände, ihrer geografischen Ver-breitung und ihrer Vermehrungsfähigkeit in der gesamten Gemeinschaft Gegenstand einer jagdlichen Nutzung sein; dies stellt eine zulässige Nutzung dar, sofern bestimmte Grenzen gesetzt und eingehalten werden und diese Nutzung mit der Erhaltung der Bestände dieser Arten auf ausreichendem Niveau vereinbar ist.
Unter Artikel 2 führt die Richtlinie aus:
„Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, um die Bestände aller unter Artikel 1 fallenden Vogelarten auf einem Stand zu halten oder auf einen Stand zu bringen, der insbesondere den ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Erfordernissen entspricht, wobei den wirtschaftlichen und freizeitbedingten Erfordernissen Rechnung getragen wird.”
In Artikel 9 Absatz 1 führt die Richtlinie ausdrücklich auf:
(1) Die Mitgliedstaaten können, sofern es keine andere zufrieden stellende Lösung gibt, aus den nachstehenden Gründen von den Artikeln 5 bis 8 abweichen:
a)

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