Fischerei | Reden

Freitag, 11. November 2011
Rede zum Antrag Kormoranmanagement

Rede zu TOP 14 - Kormoranmanagement Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Kormoran ist das Beispiel in Deutschland für erfolgreichen Naturschutz. Frau Kollegin Vogt, eine Vogelart mit fast 2 Millionen Exemplaren durch ein Management zu reduzieren, ist völlig unmöglich. Sie haben eine absolut eingeschränkte Sicht. Vor 20 Jahren war der Kormoran stark gefährdet. Heute ist er eine Allerweltsvogelart. Die EU-Vogelschutzrichtlinie führt ihn in ihren Anhängen  gar nicht mehr auf. Wir haben neun Forderungen für eine nachhaltige Bestandsregulierung aufgestellt, die offensichtlich mehrheitlich Zustimmung findet. Es ist bemerkenswert, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass es trotz eines sehr eindeutigen Votums in der Bevölkerung Naturschützer gibt, die sich mit diesem Erfolg des Naturschutzes nicht zufriedengeben, sondern den Vogel weiterhin auch dort schützen wollen,  wo dadurch andere Arten, beispielweise Fischarten, gefährdet werden. Wir leben in einer Kulturlandschaft. Es ist völlig unstrittig, dass zum Schutz der Wälder Rehwild geschossen wird, dass wir ein Management für Rotwild haben. Es ist völlig unstrittig, dass wir in unserer Kulturlandschaft Wildschweine bejagen. Allein bei mir im Wahlkreis hat es eine Verzehnfachung des Wildschweinbestandes innerhalb der letzten 30 Jahre gegeben, und natürlich werden sie bejagt. Genauso unstrittig sollte es sein, dass der Kormoran dort, wo er zu Schäden an autochthonen Fischbeständen führt, ebenfalls reguliert wird. Der Schutz autochthoner Bestände ist unser Anliegen, genauso wie der Artenschutz unter der Wasseroberfläche. Wir wollen den Erhalt von Teichwirtschaften, gerade in FFH-Gebieten. Jeder, der ein bisschen Ahnung von unserer Kulturlandschaft hat, weiß, dass wir die Fischbestände dort nicht durch Überspannung der Teiche schützen können; das geht überhaupt nicht. Sie sind zu groß. Ich will als Schleswig-Holsteinerin natürlich die Fischerei am Großen Plöner See erhalten. Auch dort ist es nicht möglich, die Fischbestände durch Überspannen zu schützen. Wer einmal mit Sabine Schwarten, der einzigen deutschen Fischereimeisterin, gesprochen hat, der weiß, wie sehr die Fischerei unter dem Kormoran leidet. Sie hat Vögel geschossen und hinterher 40 cm lange Zander aus dem Bauch herauspräpariert. Das ist ein sehr deutliches Beispiel dafür, wie sehr der Fischbestand durch den Kormoran gefährdet ist. Wir wollen ‑ das will ich ganz deutlich sagen ‑ mit unserem Antrag auch Anerkennung gegenüber den Anglerinnen und Anglern zum Ausdruck bringen, die in ihrem anerkannten Naturschutzverband herausragende Arbeit zum Schutz der Gewässer und in der Umweltbildung leisten. Schauen wir doch einmal in die Presse. In der Main-Post lesen wir unter der Überschrift „Kormoran frisst den Main leer”, was Willi Wingenfeld, Fischereiverbandsbeauftragter, dazu sagt: „Die reinen, selbst ernannten Vogelschützer haben kein Verständnis. Für die sind Fische Vogelfutter.” ‑ Genauso wie für Sie, Frau Vogt. ‑ Nach dem Motto: Solange es Fischstäbchen gibt, brauchen wir keine Fische draußen. Das ist bemerkenswert. ‑ In Franken sagt ein Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde, ein Biologe, er stelle sich hinter die Teichwirte in seinem Land. Im Zusammenhang mit der Karpfenernte in der Lewitz berichtet der NDR, dass der Fischer Hermann Stahl die Verluste auf 30 Prozent senken konnte, seit er intensiver gegen den größten Fischräuber, den Kormoran, vorgehen kann. Früher betrugen die Verluste bis zu 75 Prozent. Das Bundesamt für Naturschutz führt in der Roten Liste der Süßwasserfische und Neunaugen aus: Eine befriedigende Lösung des Kormoranproblems ist bisher nicht in Sicht und zu der Frage, wie der Äsche geholfen werden kann, gibt es erheblichen Forschungsbedarf.” Die fachliche Meinung des Bundesnaturschutzamtes sollte ernst genommen werden. Es reicht nicht zu sagen, dass es Umweltverbände gibt, die nicht wollen, dass etwas unternommen wird.  Wenn wir uns eine entsprechende Veröffentlichung des Bundesumweltministeriums aus dem Oktober 2011 anschauen, sehen wir, dass auch darin der Kormoran als Fraßräuber benannt wurde. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir beim Kormoran zu einem Umdenken kommen. Liebe Kollegin Kurth, ich fand es schon bemerkenswert, dass Sie gestern im Ausschuss  erstmalig davon gesprochen haben, dass wir einen Interessenkonflikt beim Thema Kormoran haben. Frau Kollegin Behm hat in der ersten Rede zum Kormoranantrag ausgeführt, dass es durchaus Gewässerabschnitte geben kann, in denen tatsächlich Bedarf an einem Management für bestimmte Arten besteht. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Kormoran in den küstenfernen Regionen Deutschlands, also in Süddeutschland, eine invasive Art ist. Er hat Brutbestände dort aufgebaut, wo er früher einmal allenfalls als Irrgast vorgekommen ist. Es ist auch klar, dass wir bestimmte Fischarten haben, die sich der neuen Situation nicht angepasst haben. Insbesondere gilt dies für die Äsche, aber auch für andere Fischarten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind aufgefordert, die Akzeptanz für den Naturschutz zu erhalten. Dazu gehört auch, dass wir ein Management organisieren, wenn sich eine Art, wie es beim Kormoran der Fall ist, so stark vermehrt, dass andere Arten in ihrem Bestand gefährdet sind. Es ist richtig, was der Fischereiverband von Brandenburg sagt: Auch Fische brauchen Schutz. - In diesem Sinne bitte ich Sie herzlich, meinem Antrag zuzustimmen. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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