Landwirtschaft

Freitag, 5. August 2011
Happach-Kasan: Ratsempfehlung zum Ökolandbau geht an der Realität vorbei

Berlin, 05.08.2011. Zur gestrigen Vorstellung der Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung über eine verstärkte Förderung des Ökolandbaus erklärt die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Christel HAPPACH-KASAN:

Angesichts der globalen Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht, gehen die Vorschläge des Rates für Nachhaltige Entwicklung an der Realität vorbei. Die prekäre Situation der Welternährung, der Klimawandel mit dem weltweiten Verlust an Ackerfläche oder die Produktion von Biomasse für die energetische Verwertung erfordern eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft. Notwendig ist eine Steigerung der Effizienz, wie sie beispielsweise der britische Regierungsreport „The Future of Food and Farming” vorschlägt. Eine moderne Landwirtschaft, der Ernährungssicherung verpflichtet, stellt sich diesen Herausforderungen. Sie nutzt wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verbesserung der Produktion. Der Rat für nachhaltige Entwicklung hat die Herausforderungen nicht erkannt und schadet mit den vorgelegten, fachlich nicht überzeugenden Empfehlungen der gesamten Landwirtschaft.
Die Empfehlungen zielen auf die Haushaltsberatungen, dienen allein Verbandsinteressen und führen nicht zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Angesichts der starken Beteiligung von Verbandsvertretern des Ökolandbaus ist die umfassende Subventionsliste keine Überraschung. Die Auswahl der vom Rat herangezogenen Experten lässt Vertreter der modernen Agrarforschung hingegen völlig vermissen. Obwohl in der Analyse dargestellt wird, dass die Landwirtschaft langfristig ohne Transferzahlungen auskommen sollte, dass die Ökobetriebe schon jetzt höhere Transferzahlungen erhalten als moderne Betriebe und auch höhere Gewinne erzielten, wird gleichwohl eine noch höhere Förderung des Ökolandbaus empfohlen. Die öffentlichen Haushalte werden so zum Dukatenesel.  
Die Empfehlungen des Rates für nachhaltige Entwicklungen sind in weiten Teilen substanzlos und lassen eine intensive Beschäftigung mit den gegebenen Problemen und den vielfältigen Lösungsansätzen vermissen. Der Indikatorenbericht „Nachhaltige Entwicklung in Deutschland” wird kaum berücksichtigt. Vorschläge, wie der immer noch erhebliche Stickstoffüberschuss oder die Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr von derzeit fast 100 Hektar pro Tag gemindert werden kann, fehlen fast völlig. Das Problem des Einsatzes von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln im Ökolandanbau wird nicht einmal thematisiert, obwohl aus Sicht des Bodenschutzes deren Einsatz nicht akzeptabel ist, weil Bodenorganismen geschädigt werden. Das Gutachten des Umweltbundesamtes, das die Risiken des Kupfereinsatzes aufzeigt, wird ebenfalls nicht erwähnt. Moderne Ansätze der Bewertung landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmethoden, die den Einfluss der Landbewirtschaftung auf die Natur in Bezug zur Produktionsmenge setzen und nicht zur bewirtschafteten Fläche, wie von der AG Ökolandbau der Universität Kiel erarbeitet, werden nicht einmal angesprochen. Die Produktion von Biomasse in Kurzumtriebsplantagen, die der Beirat des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in einem Gutachten empfohlen hat, die in einem Projekt des BMBF weiterentwickelt wird und die der Nabu als ökologisch sinnvolle Alternative zum Maisanbau herausgestellt hat, wird nicht erwähnt. Insgesamt werden die meisten Bereiche des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts komplett ausgeklammert und ignoriert.

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