Ernährung

Freitag, 24. Juni 2011
Leserbrief zum Beitrag „Jetzt haben wir den Salat” in der „ZEIT” Nr. 23 vom 1. Juni 2011

Die aktuelle EHEC-Epidemie macht eines deutlich: Bakterielle Kontaminationen von Lebensmitteln gefährden die Gesundheit mehr als unerwünschte Beimengungen in Obst und Gemüse von Pflanzenschutzmitteln, Dioxinen aber auch GVO. Letztes Jahr waren es Listerien im Käse, dieses Jahr sind es EHEC-Bakterien. Nicht ein Vorfall in den vergangenen 10 Jahren hat auch nur annähernd die Auswirkungen für Leben und Gesundheit der Menschen gehabt, wie die jetzige Erkrankungswelle, auch BSE nicht. Trotz der erheblichen Risiken für Leben und Gesundheit durch bakterielle Kontaminationen haben sie bei der Risikowahrnehmung keine Priorität. Die Risikowahrnehmung ist verzerrt. Vorsorge im Verbraucherschutz muss in Zukunft bedeuten, dass in der Lebensmittelsicherheit die realen Risiken stärker berücksichtigt werden als gefühlte Risiken. „The German Angst” darf nicht länger die öffentliche Diskussion und das Handeln der Menschen wie auch der Behörden bestimmen.

Wir wissen zwar nicht, wodurch die EHEC-Erkrankungswelle verursacht wurde, aber die ZEIT weiß, dass jetzt die „industrielle Herstellung” von Gemüse infrage gestellt werden müsse. Warum eigentlich? Zentrum der EHEC-Erkrankungswelle ist Hamburg. Hamburg ist kein großes Gemüseanbaugebiet, sondern ein bedeutender Handelsplatz. Bei der Gemüse-Produktion ist eine Kontamination mit EHEC-Erregern eher unwahrscheinlich, denn die Bewässerung erfolgt nicht über die Gießkanne sondern direkt an der Wurzel. Mit Ausnahme der vier spanischen Biogurken, die EHEC-Keime eines anderen Typs aufwiesen, war keine der über 4700 von Behörden oder Produzenten untersuchten Gemüse-Proben positiv. Die Rückverfolgung vom Lübecker Kartoffelkeller über den Hamburger Großmarkt führte zu einem Bio-Betrieb in Niedersachsen, der Keimsprossen produziert. Die Sprossenproben waren negativ, allerdings sind zwei Mitarbeiterinnen an EHEC erkrankt. Sie sind bislang die einzigen an EHEC-erkrankten Mitarbeiter eines Produktionsbetriebs. Dort könnte die Quelle der Infektion sein. Es steht allerdings zu befürchten, dass so wie bei anderen EHEC-Ausbrüchen die Quelle der Infektion nicht gefunden wird.

Die weitere These, dass die Maisfütterung bei Rindern mit der Ausbildung von EHEC-Keimen ursächlich zu tun habe, steht auf schwachen Füßen. Die EHEC-Erreger kommen ebenfalls bei Ziegen, Schafen, Reh- und Rotwild vor und diese werden nicht mit Mais gefüttert.

Abgedruckt am 16. Juni 2011

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