Landwirtschaft

Dienstag, 21. Juni 2011
Bericht zum Agrarkongress der FDP-Bundestagsfraktion am 21. Juni 2011 in Wismar

Mecklenburg-Vorpommern ist ein landwirtschaftlich geprägtes Bundesland. Der Agrarkongress der FDP-Bundestagsfraktion stellte deshalb die landwirtschaftliche Produktion und die Qualität unserer Lebensmittel vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme der Branche in den Mittelpunkt des Kongresses. Insbesondere die Dioxinfunde Anfang des Jahres und die noch immer nicht bewältigte EHEC-Krise sorgen beim Verbraucher für Verunsicherung und bei Landwirten und Handel für Absatzeinbrüche. Doch ist diese Verunsicherung begründet oder nimmt der Verbraucher Risiken verzerrt wahr? Mit dieser zentralen Frage leitete Christian Ahrendt, MdB den Kongress ein.

Das Impulsreferat von Dr. Gaby-Fleur Böl, Leiterin der Abteilung Risikokommunikation des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) gab Aufschluss darüber, wie der Verbraucher denkt und handelt und welche Fehler in der Krisenkommunikation gerade im Bereich der Lebensmittelproduktion gemacht werden. Nach einer europäischen Umfrage haben 29 Prozent der Verbraucher Angst, dass unsere Lebensmittel Auslöser für Krankheiten sein können. Diese Furcht beruhe auch darauf, dass die verbesserten Messmethoden der Labore selbst geringste Spuren von Rückständen von Pflanzenschutzmitteln, Dioxinen oder auch Pilzgiften nachweisen. „Wir können die Konzentration von einem aufgelösten Stück Würfelzucker im Bodensee messen”, so Böl. Somit entstehe der Eindruck von immer neuen Lebensmittelrisiken, obwohl die tatsächliche Belastung unserer Lebensmittel mit unerwünschten Stoffen seit Jahren rückläufig ist. Das gefühlte Risiko überwiegt das tatsächliche bei Weitem.

In der Podiumsdiskussion wurde das Thema vertieft und erweitert. Dabei war die aktuelle EHEC-Krise ein zentraler Punkt, da sie im Gegensatz zu den Dioxinfunden in Futtermitteln im Januar nicht nur für wirtschaftliche Schäden bei den Landwirten sorgte, sondern eine tatsächliche Gesundheitsgefährdung des Verbrauchers darstellt. Uta Nehls von der Neuen Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern lobte das Krisenmanagement der Ministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie Gesundheit. Trotz anhaltender Kritik war die Warnung vor Tomaten, Gurken und Salat richtig. Andreas Manz, Kreisgeschäftsführer des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern ergänzte jedoch, dass die Erzeuger einen wirksamen Schutz vor wirtschaftlichen Ausfällen bei derartigen Krisen benötigen.

Daniel Bohl, selber Landwirt, thematisierte noch einmal die Verbraucherängste, die sich oft auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln konzentrieren. Er wies darauf hin, dass der Landwirt Pflanzenschutzmittel zum Wohl der Pflanze einsetzt. Damit wird der Ertrag gesichert, Ausfälle, die die Produktion verteuern, werden vermieden. Durch den gezielten Einsatz von modernen Pflanzenschutzmitteln wird die Qualität unserer Lebensmittel kontinuierlich verbessert. Niemand will Blattläuse im Salat. Der Pilzbefall von Getreide verursacht die Gesundheit gefährdende Belastungen mit Pilzgiften. Das kann durch Pflanzenschutzmittel verhindert werden.

Im weiteren Verlauf wurde auch die Grüne Gentechnik von den Teilnehmern diskutiert, da sie beim Verbraucher immer noch große Verunsicherung auslöst. Dr. Christel Happach-Kasan hob hervor, dass die Grüne Gentechnik bereits seit 20 Jahren in vielen Ländern erfolgreich angewendet wird. Entscheidend für die Akzeptanz der Grünen Gentechnik beim Verbraucher ist Transparenz. Uta Nehls stimmte ihr zu und sagte, dass die Verbraucherschutzzentrale nicht die Aufgabe hat, das Risiko einer Technologie zu bewerten, sondern objektive Informationen zu bieten. Andreas Manz, stellte dagegen dar, dass die viele Landwirte die Grüne Gentechnik nicht grundsätzlich ablehnen, aber ein Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen erst Normalität wird, wenn es gesetzliche Regelungen für Haftungsfragen gibt, sollten sich GVO auf den Nachbarfeldern finden.

Abschließend erklärte Gaby-Fleur Böl: „Es gibt kein Null-Risiko, aber der Verbraucher muss in die Lage versetzt werden, sein Risiko zu kalkulieren und zu kontrollieren.” Dafür sei es zum einen nötig, dass Wissenschaftler eine verständliche Sprache verwendeten und anderseits die Menschen wieder lernen, wo und wie unsere Lebensmittel produziert werden und wie sie mit ihnen umgehen.

Das Fazit des Agrarkongresses zog Dr. Christel Happach-Kasan: „Die aktuelle EHEC-Krise hat gezeigt, dass der wirksamste Verbraucherschutz im Lebensmittelbereich durch Hygiene erreicht wird. Nicht nur im Handel und in der Verarbeitung von Obst und Gemüse muss sauber gearbeitet werden, auch im Haushalt kann jeder einzelne mit wenig Aufwand, wie Händewaschen und gründliches Waschen von Obst und Gemüse, dazu beitragen, Infektionen zu vermeiden.”

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