NaWaRo / Wald

Montag, 11. Oktober 2004
Natur im Kreis

Ohne die in den letzten beiden Eiszeiten aus Skandinavien herantransportierten Sand- und Gesteinsfrachten wäre der Kreis Teil des Atlantiks. Es gäbe einige Inseln bei Geesthacht und sonst Wasser, soweit das Auge reicht. Die Seen, Hügel, Urstromtäler und auch die Tongruben verdanken ihr Entstehen der Weichsel-Eiszeit, die vor 80 000 bis 15 000 Jahren den nördlichen Kreis bedeckte. Die südlichsten Eisrandlagen erreichten Roseburg - Güster - Besenthal, ausgedehnte Sander schließen sich an. Der Süden des Kreises blieb in der letzten Eiszeit eisfrei und wurde von den Ablagerungen der vorangegangenen Saaleeiszeit gestaltet. In deren Altmoränen hat die Elbe ein breites Urstromtal geschnitten. Das hohe Steilufer bei Geesthacht und Lauenburg zeigt die Kraft des abfließenden Schmelzwassers. Über 80 m hoch sind die Altmoränen bei Geesthacht, auf deren von den Schmelzwasserströmen ausgezehrten Böden Heide und Kiefernwälder stehen. Am Ende der Eiszeit hatte sich in der Region von Lübeck ein riesiger Eisstausee gebildet, der etwa 300 Jahre bestand und dessen tonige Ablagerungen der Rohstoff für die Backsteinkultur der Hansestadt wurden. Der Stausee entwässerte nach Süden durch das Urstromtal von Stecknitz und Delvenau in die Elbe. Nach Abklingen der Vereisung wanderten über diesen Talraum Pflanzen- und Tierarten aus dem Elbraum nach Norden. Am südlichen Rand der Vereisung wurde das Wasser von Altmoränen der vorangegangenen Vereisung nach Westen abgelenkt, das Urstromtal bildete das charakteristische Knie, dem der Elbe-Lübeck-Kanal noch heute folgt. Vor etwa 10 000 Jahren begann der Altmöllner Berg sich zu heben, es bildete sich eine Wasserscheide heraus und die Stecknitz kehrte ihre Fließrichtung um und entwässerte in die Ostsee, während die Delvenau weiter nach Süden zur Elbe floss. Diese in der Eiszeit entstandene Wasserscheide überwand die im 14. Jahrhundert eingerichtete Stecknitzfahrt durch den Bau des 12 km langen 'nygen gravens' und der Möllner Schleusentreppe, über die der Graben auf das Niveau des Möllner Sees geführt wurde. Der Elbe-Lübeck-Kanal ist der Nachfolger dieses ersten europäischen Wasserscheidenkanals.



Südlich der Eisrandlagen und entlang dem Delvenautal liegen umfangreiche Sander der Weichsel-Eiszeit, deren Kies in ganz Norddeutschland verarbeitet wurde: Bei der Erweiterung des Nord-Ostsee-Kanals wie auch beim Bau der Hamburg-Berlin-Autobahn. Die Kiesseen entlang des Elbe-Lübeck-Kanals sind Reste des Kiesabbaus. Eine der größten bewirtschafteten Kiesgruben liegt in Groß Pampau. Sie ist gleichzeitig Fundort eines Walfriedhofs aus dem Oberen Miozän. 12 bis 14 Millionen Jahre ist es her, dass bei uns subtropisches Wetter herrschte, Mittelmeerklima mit warmen Sommern und milden Wintern. Das Kreisgebiet war damals weitgehend von Meer bedeckt. Bei Groß Pampau liegen die damals vom Meer abgelagerten Glimmertone dicht unter der Oberfläche und haben in den letzten Jahren sensationelle Fossilien preisgegeben: einen etwa zehn Meter langen, sehr gut erhaltenen Bartenwal, einen drei Meter langen Zahnwal und einen genauso langen Hai. Im Museum für Natur und Umwelt am Dom in Lübeck werden die Prachtstücke zusammen mit Fossilien der marinen Fauna gezeigt.



Die Seen im Kreis haben ganz unterschiedliche Bildungsgeschichten, aber eines ist ihnen gemeinsam, die Eiszeit hatte ihre Hand mit im Spiel. Der tiefste und größte See ist der Schaalsee. Eine Besonderheit sind seine Halbinseln, die Werder, die dem See seine einzigartige Gestalt verleihen. Ö

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