Ernährung

Mittwoch, 25. Mai 2011
EHEC-Infektion: Vorsorge ist der beste Schutz

Die Angst vor einer EHEC-Infektion ist derzeit medienbeherrschend. Die Verbraucher wissen nicht, wie sie sich gegen eine Erkrankung schützen können. Im Interview mit dem „Portal Liberal” klärt die FDP-Ernährungs- und Landwirtschaftsexpertin Christel Happach-Kasan über Krankheitssymptome, Essvorschriften und weitere Informationsquellen auf. Solange die Suche nach der Infektionsquelle andauere, sei die Vorsorge der wichtigste Schutz, macht die Liberale deutlich.

EHEC-Infektionen sind derzeit das Thema, das viele Verbraucherinnen und Verbraucher interessiert. Wie sicher ist unser Essen?


Die Meldungen über die Infektionen mit dem Krankheitserreger Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sind sehr beunruhigend. Es sind mittlerweile die ersten Todesfälle zu beklagen und es ist zu befürchten, dass weitere folgen werden. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen. Den vielen hundert Erkrankten wünsche ich eine baldige Gesundung.

Die Infektionen sind sehr ernst zu nehmen, sie können zumeist nicht mit Antibiotika bekämpft werden. Daher ist die Vorsorge der wichtigste Schutz. Deswegen ist jetzt eine umfassende Aufklärung der Verbraucherinnen und Verbraucher erforderlich.

Grundsätzlich gilt in Deutschland, dass unsere Nahrungsmittel qualitativ hochwertig sind. Leider kommen Verunreinigungen mit Bakterien immer wieder vor. Das ist eine ernste Sache und zeigt, wie wichtig die Hygiene bei der Nahrungsmittelproduktion ist. Im vergangenen Jahr haben Listerien im Käse aus Österreich Todesfälle verursacht und das obwohl der Rückruf schnell erfolgte. Verfehlungen von Einzelnen sind kaum zu vermeiden. Wir müssen aber nun schauen, ob man am gesamten System etwas verändern muss, damit die Gefahr solcher Infektionen gemindert wird. Doch nur auf der Grundlage einer genauen Ursachenforschung sind wir in der Lage, sachgerechte Lösungen zu finden.


Worum handelt es sich bei EHEC-Infektionen eigentlich?

Unter EHEC versteht man spezielle, krankheitserregende Stämme des an sich nützlichen und überall verbreiteten Darmbakteriums Escherichia coli. Diese können gefährliche Darminfektionen verursachen. Bei einem schweren Verlauf der Krankheit kann es zu Nierenversagen und dem Zusammenbruch des Kreislaufs, dem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) kommen. Seit 2001 sind EHEC-Infektion in Deutschland meldepflichtig. Nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) wurden seither jährlich zwischen 925 und 1.183 EHEC-Erkrankungen gemeldet.

Das Bakterium kommt vor allem in Tierkot von Wiederkäuern wie Rindern sowie von Rehwild vor. Während in den Vorjahren vorwiegend Kinder an EHEC erkrankt sind, sind jetzt insbesondere Frauen betroffen.


Gibt es Hinweise, woran sich die Erkrankten infiziert haben?

Bisher ist das noch völlig unklar. Die Behörden arbeiten mit Hochdruck daran, die Quelle der Infektionen zu ermitteln. EHEC werden direkt vom Tier oder von Tierprodukten auf den Menschen übertragen. Es besteht unter anderem die Vermutung, dass mit EHEC-Bakterien kontaminiertes Gemüse die Krankheit ausgelöst hat. Der Erreger scheint sich von Norden nach Süden auszubreiten. Da Krankheitsfälle mittlerweile aus ganz Norddeutschland gemeldet werden, spricht vieles dafür, dass mit EHEC-Bakterien kontaminiertes und überregional verkauftes Gemüse oder ein tierisches Produkt die Ursache der Erkrankungen ist. Viele Betroffene sind schon nach ihren Essgewohnheiten der vergangenen Tage gefragt worden, aber es ist sehr schwierig, anhand dieser Informationen die Infektionsquelle ausfindig zu machen. Es wird vermutet, dass die Infektionsquelle noch immer aktiv ist.

Wie sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher sich jetzt verhalten - kein Gemüse mehr essen?


EHEC-Bakterien sind hitzeempfindlich und werden beim Kochen abgetötet. Es sollte darauf geachtet werden, dass Speisen gut durchgegart sind. In jedem Fall ist eine peinlich genaue Küchenhygiene der beste Schutz vor gefährlichen Keimen und unverzichtbar. Messer, die zum Schneiden von frischem Gemüse oder rohem Fleisch genutzt wurden, gehören in die Spülmaschine und dürfen nicht zum Zubereiten von fertigen Speisen genutzt werden. Salate müssen gründlich gewaschen werden.

Auf welche Symptome sollten Verbraucherinnen und Verbraucher achten?

EHEC-Infektionen können unauffällig verlaufen und somit unerkannt bleiben. Laut dem Robert-Koch-Institut tritt bei der Mehrzahl der Erkrankungen als Symptom unblutiger, meistens wässriger Durchfall auf. Hinzu kommen Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Unterleib, seltener Fieber.

Bei etwa zehn bis 20 Prozent der Erkrankten entwickelt sich eine schwere Verlaufsform mit einer Entzündung der Dickdarmschleimhaut und krampfartigen Bauchschmerzen, blutigem Stuhl und teilweise Fieber. Im schlimmsten Fall entwickelt sich das hämolytisch-urämische Syndrom, das bis zum Tod führen kann. Gefährlich sind EHEC-Infektionen vor allem für Kinder sowie durch Krankheit oder Alter geschwächte Menschen. Wer eines dieser Symptome bei sich beobachtet, sollte sofort einen Arzt aufsuchen.

Wo kann man sich auf dem neusten Stand halten? Wo informieren?

Das Robert-Koch-Institut hat auf seiner Homepage neue Informationen, aber auch das Bundesamt für Risikobewertung gibt Verbrauchertipps.

    * Zum Robert-Koch-Institut
    * Zum Bundesamt für Risikobewertung



Dioxin ist auch diese Woche Thema im Bundestag. Welche Konsequenzen wurden aus dem Fall gezogen?

Wir müssen hier erst einmal differenzieren. Eine hochgefährliche Verunreinigung mit Bakterien und der Fund von Dioxinspuren in Futtermitteln dürfen nicht in einen Topf geworfen werden. Dioxin ist ein Gift, das bei Verbrennungsvorgängen entsteht und überall in der Umwelt vorkommt. In den letzten 20 Jahren ist es gelungen, die Dioxinbelastung in der Umwelt und damit auch in unseren Lebensmitteln auf ein Drittel zu senken. Bei den Dioxinfunden bestand zu keinem Zeitpunkt auch nur ein geringes Risiko einer Gesundheitsgefährdung. Das EHEC-Bakterium hingegen kann Menschenleben kosten.

Um es ganz klar herauszustellen, Dioxine gehören nicht in Lebensmittel. Künftig werden Betriebe, die Futterfette oder Futterfettsäuren herstellen, deshalb einer strengen Zulassungspflicht unterworfen. Das erhöht die Qualitätssicherung schon zu einem Zeitpunkt, bevor das erste Futtermittel hergestellt wird. Darüber hinaus sollen in Zukunft Produktionsströme klar voneinander getrennt werden. Fette und Öle, die für die Herstellung von Futter- oder Lebensmitteln bestimmt sind, dürfen dann nicht in derselben Anlage hergestellt werden wie Fette, die in der industriellen Produktion zum Einsatz kommen.

Anfang März wurde der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Lebens- und Futtermittelgesetzbuches vorgelegt. Künftig wird es eine Meldepflicht für private Laboratorien geben. Bedenkliche Mengen an gesundheitlich nicht erwünschten Stoffen, die sie in untersuchten Lebensmitteln oder Futtermitteln festgestellt haben, sind an die zuständigen Behörden zu melden. Darüber hinaus werden Lebensmittel- und Futtermittelunternehmer verpflichtet, Ergebnisse von Eigenkontrollen hinsichtlich Dioxinen und Furanen sowie dioxinähnlicher und nicht dioxinähnlicher polychlorierter Biphenyle an die zuständigen Behörden zu melden. Im Ergebnis erhalten wir dadurch ein Dioxin-Monitoring, das uns weitere Erkenntnisse über Dioxinbelastungen ermöglicht und hilft, gezielt Vorsorgema

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