Schleswig-Holstein | Reden

Donnerstag, 14. April 2011
Rede am 14.4. während der Debatte zur Präimplantationsdiagnostik

Paare wünschen sich eigene gesunde Kinder. Wir sollten respektieren, dass dies auch für Paare gilt, bei denen ein Partner Überträger einer schweren Erbkrankheit ist. Die Präimplantationsdiagnostik (PID) kann für diese Paare eine Hilfe darstellen, gesunde Kindern zu bekommen. Sie ist gleichwohl keine Garantie dafür, denn niemand kann gesunde Kinder garantieren.

Der Bundesgerichtshof hat im Sommer des vergangenen Jahres entschieden, dass in Deutschland nach dem bis jetzt noch geltenden Recht die Präimplantationsdiagnostik zulässig ist. Gleichzeitig hat der Gerichtshof den Bundestag aufgefordert, eine eigenständige rechtliche Regelung zu verabschieden. Das Gericht hatte auf Grund der Selbstanzeige eines Berliner Arztes entschieden. Dieser hatte in 2005 bei drei Paaren, die mit dem Wunsch nach einem gesunden Kind zu ihm gekommen waren, eine Präimplantationsdiagnostik durchgeführt. Einem Paar konnte er helfen.

Die Selbstanzeige des Berliner Arztes war ein Hilferuf im Namen von Paaren,bei denen ein Partner Überträger einer schweren Erbkrankheit ist. Ich bin froh, dass der Deutsche Bundestag jetzt auf dem Weg ist, über den zukünftigen Umgang mit der PID zu entscheiden. Ich setze mich dafür ein, dass klare rechtliche Regelungen zur Zulassung der PID in begründeten Einzelfällen formuliert werden. Die seit der Verabschiedung des Embryonenschutzgesetzes erfolgten Entwicklungen der Reproduktionsmedizin müssen im Gesetz berücksichtigt werden.

Im Jahr 2009 wurden in Deutschland etwa 650.000 Kinder geboren und 110.000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen, darunter einige hundert Spätabtreibungen als Folge der Ergebnisse der genetischen Pränataldiagnostik. Schon 1999 hat die Bioethik-Kommission von Rheinland-Pfalz ausgeführt: „Es wäre ein Wertungswiderspruch, den Paaren, bei denen das Risiko der Übertragung eines Gendefekts festgestellt wurde, die PID aus Rechtsgründen zu verwehren, und dann diesen Paaren gleichwohl die Durchführung der Pränataldiagnostik zu erlauben, die im Fall einer festgestellten Indikationslage zum Schwangerschaftsabbruch führen kann.”

Eine humangenetische Beratung von Paaren hat es schon gegeben, als noch niemand an Untersuchungsmethoden, die auf der Analyse des Genoms beruhen, überhaupt gedacht hat. Mit der Methode der Stammbaumuntersuchung ist schon vor mehreren Jahrzehnten festgestellt worden, dass bestimmte Krankheiten vererbt werden und welcher Erbgang ihnen zugrunde liegt. Menschen aus Familien, in denen eine solche Disposition gegeben ist, wissen in aller Regel darüber Bescheid. Deshalb meine ich, dass es keinen grundsätzlichen Unterschied gibt zwischen der Entscheidung eines Paares, nach einer Pränataldiagnostik auf Grund einer festgestellten Erbkrankheit einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, und seiner Entscheidung zur Vermeidung eines erbkranken Kindes eine PID durchzuführen.

Die befruchtete Eizelle, die Zygote, kann sich nur dann zu einem Menschen entwickeln, wenn sie sich erfolgreich in der Gebärmutter einnistet. Menschliches Leben entsteht nur in enger Beziehung mit seiner Mutter. Die Zygote allein ist nicht lebensfähig, sie ist nicht autonom. Nur etwa 30% der menschlichen Zygoten überleben unter natürlichen Bedingungen, die übrigen sterben ab. Eine Zygote, die sich noch nicht in der Gebärmutter eingenistet hat, ganz unabhängig davon, ob sie unter natürlichen Bedingungen oder in der Petrischale entstanden ist, kann daher nicht mit der Würde des Grundgesetzes ausgestattet sein.

In Großbritannien, Frankreich, Belgien, Polen ist die PID erlaubt. Dortige Erfahrungen zeigen, dass die Furcht vor dem Designerbaby unbegründet ist. Ich kann nicht erkennen, warum dies in Deutschland anders sein sollte.

Menschen mit Behinderung sind in unserer Gesellschaft willkommen und sollen auch in Zukunft willkommen sein. Daran hat die Nutzung der Pränataldiagnostik nichts geändert und wird auch der Einsatz der Präimplantationsdiagnostik nichts ändern.

Ich sehe keinen Grund, warum wir die PID verbieten sollten. Ich meine, wir sollten die PID auch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen zulassen. Angesichts der emotionalen Not von Paaren mit einer erblichen Belastung, die sich eigene Kinder wünschen, sollten wir für die Anwendung der PID einen rechtlichen Rahmen schaffen. Die Eingrenzung der Zulassung der PID ist schwierig, aber diese Schwierigkeit kann keine Begründung für ein vollständiges Verbot sein. Ich bin vielmehr dafür, mit dieser inzwischen entwickelten medizinischen Möglichkeit Paaren einen Weg zu öffnen, auf dem sie gesunde Kinder bekommen können, auch wenn sie Überträger schwerer Erbkrankheiten sind. Ich meine, wir können Vertrauen in den verantwortungsvollen Umgang von Eltern und Ärzten mit der PID haben. Deshalb gehöre ich zu den Mitunterzeichnern des Gesetzentwurfs zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik (Präimplantationsdiagnostikgesetz – PräimpG).

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