Ernährung

Freitag, 26. November 2010
Ergebnisse des Expertengesprächs der FDP-Bundestagsfraktion zum Thema „Zehn Jahre BSE – welche Regelungen brauchen wir für eine hohe Lebensmittelsicherheit und welche Vorschriften sind überholt” am 24. November 2010

Auf den Tag genau zehn Jahre nach Entdeckung des ersten deutschen BSE-Falles in Hörsten, Schleswig-Holstein, trafen sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit Experten vom Bundesinstitut für Risikobewertung, dem Friedrich-Löffler-Institut, der Universitätsmedizin Göttingen, dem Bundesverband praktizierender Tierärzte und dem Verbraucherschutz zu einem Fachgespräch. Die landwirtschaftspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan, war sich mit den anwesenden Experten einig, dass man guten Gewissens von einem Sieg über die Tierseuche BSE sprechen könne. Die deutlich zurückgegangen Fallzahlen, dieses Jahr bisher ohne positive Befunde und in den letzten beiden Jahren jeweils nur zwei Fälle, unterstreichen dieses Resümee. Besonders beeindruckend sei die Tatsache, dass alle positiv getesteten Tiere in Deutschland im Jahr 2001 oder früher geboren worden sind. Diese Fakten machen deutlich, dass die Anstrengungen und einschneidenden Maßnahmen seit dem Jahr 2000 erfolgreich gewesen sind.

Alle zeigten sich einig, dass die Erfolge es möglich gemacht haben, die verschiedenen Maßnahmen kritisch zu hinterfragen und bestehende Überregulierungen bei gleichbleibend hohem Verbraucherschutz abzubauen. Die von der EU-Kommission bereits durchgesetzte Anhebung des Testalters von Schlachttieren auf 48 Monate ist hierfür ein sinnvolles Beispiel. Aus Sicht der FDP sind die Überlegungen im zweiten Fahrplan der Kommission begrüßenswert. Unter der Prämisse des vorsorgenden Verbraucherschutzes müssen unnötige Belastungen unserer Landwirte und Schlachtbetriebe auf wissenschaftlicher Basis überprüft und gegebenenfalls aufgehoben werden. Ein Beispiel ist das Verbot von Rinderdärmen beispielsweise zur Wurstherstellung. Heute werden Därme aus Südamerika importiert, die keinen strengen Tests unterworfen sind.

Insbesondere nationale Sonderregelungen sind im Hinblick auf den Binnenmarkt in den Blickpunkt zu stellen. Hier ist vor allem die Frage des Verfütterungsverbots tierischer Fette an Wiederkäuer umstritten. Nachdem das absolute Verbot im Jahr 2009 gelockert worden war, um die ökologisch sinnvolle Nutzung des Energie- und Phosphat-reichen Ersatzmittels für Nicht-Wiederkäuer zu erlauben, hat dies in der Kälbermast nach wie vor eine deutliche Benachteiligung deutscher Kälbermäster zur Folge.

Für das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärte Professor Dr. Bernd Appel, dass das Verfütterungsverbot von tierischen Fetten berechtigt sei und es in diesem Punkt Differenzen mit der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gebe, die in einem Gutachten zu einer gegenläufigen Beurteilung gekommen sei. Ursache für den Disput sind unterschiedliche Zahlenmodelle bei der Risikoabschätzung beider Institute.

Frau Dr. Anne Balkema-Buschmann als Vertreterin des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) machte deutlich, dass sich das Wissen über die Krankheit, seine Ausbreitung und das Gefahrenpotential in den letzten zehn Jahren wesentlich vertieft hat. Insbesondere die Ausbreitung des Prionen-Erregers in erkrankten Kühen sei sehr gut charakterisiert. Diese Kenntnisse ließen eine deutlich bessere Definition der Risikomaterialien zu. Die Verfütterung tierischer Fette ist nach Ansicht des FLI Schweine oder Geflügel grundsätzlich vertretbar, allerdings müssten die Nachweismethoden verbessert und Kontrollen somit erleichtert werden. Die Verfütterung von Fetten an Wiederkäuer bedürfe allerdings weiterer Forschung, um die derzeit unzureichende Datenlage zu optimieren. Forschungen hätten zudem gezeigt, dass eine BSE-Übertragung von erkrankten Mutterkühen auf ihre Kälber nie nachgewiesen werden konnte.

Herr PD Dr. Walter Schulz-Schaeffer, Neuropathologe von der Universitätsmedizin Göttingen, zeigte in seinem Vortrag auf, wie weit natürliche Formen von transmissiblen, spongiformen Enzephalopathien (TSE) im Tierreich aber auch beim Menschen verbreitet sin. In Kanada und den USA leiden bis zu 15 Prozent wildlebender Hirsche an der „chronic wasting disease” eine BSE-gleichen Erkrankung. Gerade auch deutsche Forschungsinstitute konnten bei unterschiedlichen Tierarten zeigen, dass eine genetische Prägung Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Infektion und den Verlauf der Erkrankung hat. Wie beim Menschen die Creutzfeld-Jakob-Krankheit sporadisch auftritt, existiert auch bei Rindern eine natürliche, selten auftretende Art der BSE. Deshalb sollten Tiere oberhalb eines speziellen Schlachtalters weiterhin routinemäßig getestet werden.

Für die Verbraucherzentrale Bundesverband, vzbv, betonte Frau Jutta Jaksche, dass die Maßnahmen im Zuge der BSE-Krise zu einem höheren Stellenwert für den vorsorgenden Verbraucherschutz geführt hätten. Das Bewusstsein für die Interessen des Verbrauchers sei gestärkt worden. Aus Sicht des Verbraucherschutzes dürfen Änderungen nur erfolgen, wenn die Sicherheit des Verbrauchers durch eine gründliche Risikobewertung erwiesen sei. Eine Situation wie vor zehn Jahren dürfe sich nicht wiederholen.

Die Erfahrungen vor Ort in den Bauernhöfen und Schlachtbetrieben beschrieb Dr .Siegfried moder vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (BpT). Die ergriffenen Maßnahmen, die Entwicklung praktikabler Tests hätten die effizienten Kontrollen in den Betrieben vereinfacht. Alle Beteiligten hätten sich mit den Maßnahmen gut arrangiert und erfolgreich durchgesetzt. Um die Aspekte des Tierschutzes besser wahrzunehmen, sei der Verzicht auf die Rückenmarksdurchtrennung im Schlachthof ein wesentliches Anliegen. Eine Verwertung von Schlachtabfällen in Biogasanlagen sehen die Tierärzte skeptisch.

Abschließend waren sich die Abgeordneten mit den Experten einig, dass trotz der außerordentlichen Fortschritte bei der Grundlagenforschung, der Diagnose und Eindämmung der Tierseuche BSE in den letzten zehn Jahren weitere Anstrengungen notwendig sind. Angesichts der Tatsache, dass ähnliche Erkrankung natürlicherweise bei vielen Tierarten und beim Mensch auftreten, ist eine weitere substanzielle Forschungsförderung auf diesem Gebiet notwendig. Die Scrapie-Krankheit bei Schafen konnte zwar nach derzeitigen Wissensstand als Ursache für BSE ausgeschlossen werden, ist aber dennoch eine gefährliche Krankheit bei Schafen. Der Krankheitsverlauf ist wesentlich schwerer, der Erreger verteilt sich schnell im Körper und wird ausgeschieden. Dies führt zu einer infektiösen Belastung der Weiden bei betroffenen Herden. Ein Umstand der bei BSE ausgeschlossen ist. Auch hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf.

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