Ernährung

Freitag, 17. September 2010
Pflanzenschutzmittel nicht Verursacher des Bienensterbens – Imkerausbildung verbessern

Zum Hintergrundpapier „Anhaltendes Bienensterben durch Pestizide“ des BUND und den Vorwürfen des Bundes deutscher Berufsimker, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Hauptursache für das Verschwinden von Bienenvölkern verantwortlich sei, erklärt die Sprecherin für Agrarpolitik der FDP-Bundestagsfraktion Dr. Christel HAPPACH-KASAN:
Der Einsatz von Neonicotinoiden ist nach eindeutigen Ergebnissen des Deutschen Bienenmonitorings nicht maßgeblich für die Verluste an Bienenvölkern verantwortlich. Die nach dem Vorfall 2008 ergriffenen Maßnahmen haben sich als wirkungsvoll erwiesen. In dem Jahr hatte die Abdrift von Pflanzenschutzmittel von gebeiztem Saatgut ein Bienensterben verursacht.

Analysen von Bienenbrot haben gezeigt, dass die Belastung der Völker mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln äußerst gering ist. Dies hat der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Dr. Gerd Müller, auf meine Nachfrage hin bekräftigt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben vielmehr gezeigt, dass die Überwinterungsverluste eindeutig mit dem Befall der Völker durch die Varroamilbe im Herbst zusammen hängen. Je stärker der Milben-Befall im Herbst ist, desto mehr Bienen sterben im Winter. Die Auswertungen haben gezeigt, dass eine unzureichende oder verspätete Varroabekämpfung  durch die Imker einen entscheidenden Einfluss hat. Die Verlustrate bei den Bienenvölkern lag nach Angaben des Fachzentrums Bienen und Imkerei bei 18,6%, mit deutlichen regionalen Unterschieden.
Aus meiner Sicht belegen diese Daten, dass eine verbesserte Aus- und Weiterbildung von Imkern dringend geboten ist. Ich begrüße daher die Aufstockung der EU-Beteiligung an den nationalen Imkereiprogrammen in den Jahren 2011-2013. Insbesondere bei der Bekämpfung der Varroamilbe besteht noch erheblicher Forschungsbedarf und die Entwicklung besserer Bekämpfungsmethoden wie die schon früher von der FDP geforderte Erarbeitung einer Impfung.

Nach chemischen Analysen von Bienenbrot waren darin Reste von Pflanzenschutzmitteln kaum nachzuweisen. Lediglich eine Probe beinhaltete überhaupt bienengefährliche Wirkstoffe, weitere Pflanzenschutzmitteln wurden nur in sehr geringen Dosen gemessen. Untersuchungen zum Wirkstoffabdrift  bei der Aussaat sind heute gängiger Bestandteil von Studien und Zulassungsverfahren. Die Daten der Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen des Julius-Kühn-Institutes zeigen eine seit 2008 wieder rückläufige Zahl von Verdachtsfällen. Nach einem Höhepunkt in den Jahren 2008 (185 Einsendungen) und 2009 (167) sind im Jahr 2010 bisher 113 Verdachtsfälle registriert worden. In den Jahren 2005 bis 2007 lagen die Einsendungen zwischen 67 und 77 Fällen. Jedoch ist lediglich in den Monaten April bis August eine nachweislich mehrheitliche Schädigung durch Pflanzenschutzmittel ermittelt worden. Die bestätigten Vergiftungen sind zumeist auf eine unsachgemäße Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen. Nach Aussagen des BMELV stehen zwischen 50-70% der geringen Fallzahlen im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln, etwa 10-30% der jährlichen Einsendungen beruhen auf Frevel durch gezielte Bienenschädigung und etwa 10-20% auf Krankheiten oder Parasiten.

Die Zahlen machen deutlich, dass der sachgerechte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln keine Gefahr für unsere Bienenvölker darstellt. Die Zulassung erfolgt streng wissenschaftsbasiert. Moderne Landwirtschaft kann nicht auf den Einsatz moderner Pflanzenschutzmittel verzichten. Zum Schutz der Bienen sind Fortbildungen für Imker, ein verbessertes Nahrungsangebot durch Blühstreifen oder die Nutzung von Wildpflanzen zur Energiegewinnung und optimierte Maßnahmen zur Bekämpfung der Varroamilbe wesentlich zielführender als eine Verteufelung der modernen Landwirtschaft.

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