Ernährung

Mittwoch, 11. März 2009
Beantwortung einer Frage auf abgeordnetenwatch.de zum Thema vegane Ernährung

Sehr geehrter Herr F.,

ich meine, dass es nicht Aufgabe des Staates ist, die Zusammensetzung von Nahrungsmitteln und deren bestimmungsgemäßen Verzehr festzulegen, so dass für jedermann eine vegane Ernährung ohne die Gefahr der Mangelernährung möglich wird. Das wäre außerdem eine völlige Überforderung, denn die Lebenssituationen der Menschen sind unterschiedlich, ihre Bedürfnisse verschieden. Niemand kann vollständig kontrollieren, dass staatliche Ernährungsempfehlungen auch eingehalten werden. Konsequent zu Ende gedacht hieße das dann: Astronautennahrung für jedermann. Das kann niemand wollen.

"Essen hält Leib und Seele zusammen" - Dieses Sprichwort weist auf einen wichtigen Tatbestand hin, der in Diskussionen über die Ernährung nicht vergessen werden darf. Es geht beim Essen nicht nur um das Stillen existentieller Grundbedürfnisse, um die Aufnahme von Kalorien in angemessener Menge. Gutes, schmackhaftes Essen gehört zum Wohlbefinden, gemeinsames Essen in der Familie, mit Freunden hat eine wichtige soziale Funktion. Und die Geschmäcker der Menschen sind verschieden. Der eine liebt sein Frühstücksei, andere stehen auf Currywurst, wieder andere freuen sich auf Ostern und Lammkeule mit grünen Bohnen.

Die Festlegung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes von 7% für bestimmte Lebensmittel, während dieser anderen Lebensmitteln verwehrt wird (regulärer Umsatzsteuersatz 19%), ist ein sehr unrühmliches Kapitel des Steuerwirrwarrs in Deutschland. Mein Kollege Dr. Volker Wissing hat dazu eine Kleine Anfrage initiiert, die unter der Bt-Drucksache 16/1349 nachzulesen ist. Das Beispiel Soja-Milch ist kein Einzelfall.

Die effiziente Nutzung landwirtschaftlicher Ressourcen ist Teil einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Wirtschaft. Sie haben Recht, wenn Sie darauf aufmerksam machen, dass ein überhöhter Fleischverzehr auch eine erhöhte landwirtschaftliche Produktion zur Folge hat. Das gilt aber auch für verschiedene Regeln, die im Zuge der BSE-Krise eingeführt wurden und die dazu führen, dass ein Drittel eines Schlachtkörpers nicht als Nahrungsmittel verwendet werden darf. Diese Regeln sind jetzt nach Beendigung der Krise zu überdenken.

Genauso muss die EU-Vorschrift der "Nulltoleranz" bewertet werden, die bewirkt, dass Lebens- und Futtermittel vernichtet werden müssen, wenn eine geringfügige Beimengung von in der EU für Verzehr und Verfütterung nicht zugelassener gentechnisch veränderter Organismen nachgewiesen wird. Das gilt selbst dann, wenn sie nach Prüfung durch die Behörden als völlig unbedenklich bewertet werden, bzw. in anderen Ländern wie den USA eine Zulassung besitzen.

Mit freundlichen Grüßen
Christel Happach-Kasan

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